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Ein Besuch auf dem Missionsfelde in Togo / Von A. W. Schreiber
Entstehung
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2. Der erste Tag in Afrika.

Es war am 1. November in aller Frühe. Unser Schiff hatte nns in langsamer Fahrt von der Goldküste, an der Mündung des Volta vorbei, an die Sklavenküste gebracht und stoppte. Ich erwachte. Es war halb fünf Uhr morgens. Schnell erhob ich mich von meinem Lager und ging an Deck. Noch war es Nacht. Der Mond warf seinen silbernen Schein auf die dunklen Fluten; hell leuchteten die Sterne. Drüben tauchte die flache Küste auf, an der das Licht des Leuchtturmes von Kap St. Paul aufblitzte. Der Morgen begann zu grauen, Mond und Sterne verblichen. Im Osten wurde es hell. In wunderbaren Farben leuchtete das Morgenrot, bis die Sonne siegreich das Gewölk durchbrach und alles mit ihrem Glänze bestrahlte. Das Auge schweifte entzückt über die klaren Wellen hin zum grünen Palmenstrand und hinauf zum blauen Himmel. Durch die Seele aber zog Krummachers köstliches Lied:Eine Herde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, wenn sein Tag erscheinen wird!" Gottlob, daß die Herrlichkeit des Herrn sich durch den Dienst der Norddeutschen Missionsgesellschnft dem Ewevolke ge­nähert hat und die Gebete nicht umsonst zum großen Hirten der Schafe aufgestiegen sind! Schon wird es Licht an der Sklavenküste, und viele haben sich berufen lassen zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Mein Herz war voll Lob und Dank, glücklich am Ziele zu sein und nun schauen zu dürfen, wie aus der Tränenfaat im Mohrenlande die grüne hoffnungs­reiche Saat erwachsen ist.

Gleich nach Sonnenaufgang setzte sich der Dampfer wieder in Bewegung, und bald tauchten die Häuser von Keta auf: die katholische Mission, unser klein gewordenes Strandhaus, die Bremer Faktorei und über den Kronen der Patinen das Türmlein unserer Kirche. Mit gespannten Blicken schauten Fräulein Trainer und ich auf das Boot, welches schnell auf unser Schiff zusteuerte. Bald war Missionar Düuble an Bord und grüßte uns als erster von den afrikanischen Geschwistern. Mit ihm kam Missionar Freybnrger zur Begrüßung seiner Braut, sowie eine Rote-Kreuz- Schwester, welche nach einer Erholungszeit in Abnri unsre Diakonissen in Keta besucht hatte ugd ins Nachtigal-Krankenhaus nach Klein Popo zurückkehrte. Leider brachte mir Missionar Däuble eine schmerzliche Nachricht, die mir nur zu schnell des alten Ramseyers Voraussage bestätigte, daß es in Afrika nach dem Worte ginge:Und es begab sich." Unser Präses Spieth, der mich auf meiner Rundreise begleiten und führen