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Die Barundi : eine völkerkundliche Studie aus Deutsch-Ostafrika / von Hans Meyer
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Zwölftes Kapitel

Bemerkungen zur genealogischen Tabelle (s. Anhang I)

der Barundifürsten

Von Pater I. M. M. van der Bürgt

1. Ich war 19051908 in Nord-Arundi (Missionsstation Marienseen, Kaninja) sehr befreundet mit dem Großhäuptling (umuZunvvu) Muhini. Von ihm erfuhr ich alles, was mich interessierte. Besonders 1908, wenige Monate vor dem Tod des Königs Kisabo (Oktober 1908), als noch niemand vermuten konnte, daß der König, obwohl alt, so bald sterben würde, erzählte mir Muhini eine Menge Einzelheiten von der Barundidynastie, der Geschichte des Landes, von den beim Tod und Be­gräbnis des Königs üblichen Gebräuchen, von den Grundsätzen der Erbfolge, von der Wahl und Einsetzung des Königs usw.

Den größten Teil der Namen in der nachstehenden genealogischen Tabelle verdanke ich ebenfalls dem Muhini. Die Tabelle kann im ganzen als genau bezeichnet werden, obwohl im einzelnen Irrtümer nicht ausgeschlossen sind; sie ersetzt die Tabelle in meinem Buch ,,On peuple äe l'^frique equaloriule". 1903. Damals

hatte noch kein Europäer den Sultan Kisabo gesehen und gesprochen, vielleicht nicht einmal einen richtigen Muganwa (Mitglied des Königsgeschlechtes). Ich selbst war schon im Juli 1896 in nähere Berührung mit den Söhnen Kengeresas (Nufsabiko und Serjamurungu) gekommen, aber es war nicht möglich, damals etwas Voll­ständiges und Genaues aus ihnen über die Dynastie, die Geschichte des Landes, die Gebräuche usw. herauszubekommen. Später auf der Missionsstation Mugera (1899) bekam man höchstens Batussi zu sehen, besonders Wenengwe (s. S. 182), aber nur wenige Großhäuptlinge, die eine führende Rolle spielten. Diese großen Äerren werden in ihrem Stolz und ihrem Mißtrauen nicht leicht intim und lassen sich schwer ausfragen, und doch kann man fast nur von ihnen etwas Genaues über Staats- und Familienangelegenheiten erfahren. Der gewöhnliche Murundi, sei er Mutussi oder Muhutu, weiß wenig oder gar nichts oder bringt nur Verworrenes, Ankontrollier- bares zutage. Es ist bekannt, daß fast alle Neger sehr schwer dazu zu haben sind, die Namen der Verstorbenen zu nennen, aus Aberglaube oder Furcht vor den Gei­stern der Verstorbenen. Llm so erstaunlicher ist es, daß Muhini zum Beispiel alle Namen der verstorbenen Fürsten ohne weiteres ausplauderte.

Das will aber nicht sagen, daß meine Liste vollständig und in allen Details genau ist. Zwar stehen darauf einige hundert Namen von Waganwa und Wamikasi bzw.