Viertes Kapitel
Jagd, Fischfang, Viehzucht, Ackerbau, Genußmittel
1. Jagd und Fischerei
Die Jagd (uwulusi) spielt im Dasein der Barundi eine nur geringe Rolle, denn in einem so stark bevölkerten und fast ganz abgeholzten Land, wo man, wie in den Burenländern, der Viehhaltung und Viehweidung wegen das Wild systematisch ausgerottet hat, gibt es nur noch wenige jagdbare Tiere. Am häufigsten dürfte noch der hauptsächlich in den schmalen Buschdickichten der tiefen Bachtäler lebende Busch- bock C?r3Zel3pku8), ferner die Schopfantilope, Gazelle und Jimela-Antilope sein. Von anderen großen jagdbaren Tieren kommt gelegentlich der Elefant in den dünn bewohnten Gegenden, in den menschenleeren Wäldern des westlichen Randgebirges und in der Nussissiniederung vor, häufig ist aber noch das Flußpferd, das in allen größeren Strömen und Sümpfen Nahrung und Schutz findet. Leoparden gibt es überall, am meisten in Nordost-Llrundi.
Selten jagt (kulliZu) der Murundi mit der Waffe für sich allein. Zuweilen jedoch werden von den Häuptlingen Treibjagden von 10—20 Personen veranstaltet, die freilich viel mehr Sport als Weidwerk sind und nur den einen praktischen Zweck haben, Antilopenfelle für die obenerwähnte Kriegstracht und Gehörne für Trompeten und für Amulette zu verschaffen. Das Fleisch der gejagten Tiere wird als unrein von den Batussi und den Bahutu nicht gegessen, sondern den Batwa oder den Hunden gegeben, die bei jeder Treibjagd wesentlich mitwirken. Jagdhunde in unserem Sinn können diese Hunde (s. S. 48) kaum genannt werden, denn sie tun weiter nichts als das Wild aufstöbern und verfolgen; es ist der gewöhnliche Murundihund mit aufrechtstehenden Ohren. Eine wirkliche große Meute von Hetzhunden für die Jagd hatte der alte König Kisabo. Die Hunde tragen ein Lederhalsband mit einer eisernen Schelle oder Rassel, deren Klirren und Klappern das Wild aufscheucht, und werden so lange an der Leine geführt, bis die Jäger das Gelände, wo Wild vermutet wird, in einem weiten Halbkreise umstellt haben. Nun werden die Hunde ins Dickicht losgelassen, und bald scheuchen sie mit ihrem Schellengerassel das Wild auf und stellen es schließlich durch gemeinsamen Angriff, so daß die Jäger hinzulaufen und das Tier mit Pfeilschüssen oder Speerstichen töten können (Nr. 19, S. 100).
Viel bessere Jäger sind erklärlicherweise die vorwiegend von der Zagd lebenden Wald-Batwa, die meist zu zweien zu jagen pflegen. Vor allem ist die Elefantenjagd in den Wäldern des nordwestlichen Randgebirges lediglich ihr Werk. Hierzu wie zur Erlegung anderen großen Wildes, z. B. der Flußpferde, benutzen sie tiefe Fallgruben (it8ckjobo), die sie auf den Wechseln der Tiere anlegen. Auf dem Grund der steil-