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Die Barundi : eine völkerkundliche Studie aus Deutsch-Ostafrika / von Hans Meyer
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Fünftes Kapitel

Spiele, Tänze, Musik

Wie fast alle ostafrikanischen Stämme sind auch die Barundi, Kinder und Er­wachsene, immer zu Spiel (uvvukini), Tanz und Vergnügen geneigt; die Batussi, die sonst wenig oder nichts zu tun haben, obenan, aber auch die große Menge der Bahutu. Selbst die durch ihre Pariastellung niedergedrückten Batwa sind eifrige Tänzer.

Bei den Batussi und Bahutu beteiligen sich an den Spielen und Tänzen der Er­wachsenen schon viele Kinder, denn die Kinder sind hier wie bei allen Negerstämmen schon mit 8 oder 9 Jahren fast ebenso reif wie die Erwachsenen. Niemals spielen Negerkinder, wenn sie über die ersten Jahre hinaus sind, mit so naiver Hingebung und Anmut wie unsere Kleinen. Eine ganze Reihe Spiele haben aber die Kinder, andere die Erwachsenen für sich. Anter den Kinderspielen steht voran dasSoldaten­

spielen" der Knaben, wobei sie sich, wie überall in der Welt, in zwei feindliche Leere teilen, einander zu überlisten suchen, allerlei Manöver machen und mit Bogen und Speeren aufeinander losgehen, ohne sich etwas Empfindliches anzutun. Ernster geht es schon beim Gefechtspielen zu: zwei Trupps bewaffnen sich mit leeren Mais­kolben oder Steinen und beschießen sich damit so lange, bis die eine Partei genug Ver­wundete hat und die Flucht ergreift. Noch ernster wird der Zweikampf ausge- fochten, bei dem zwei Knaben, die einander beleidigt und herausgefordert haben, so lange mit Stöcken aufeinander losprügeln, bis der eine ausreißt.

Aber mehrere im Berliner Völkermuseum befindliche Spielsachen der Barundi- kinder hat K. Weule berichtet (Ethnolog. Notizblatt, Vd. II, Lest 1, S. 4852). Als Spielsachen machen sich die Jungen kleine Schwerter, Bogen, Pfeile, Lanzen aus Lolz oder Rohr, im Tanganikagebiet aber, wo man Gewehre kennt, auch kleine Flinten aus Sorghumstengeln oder Bambusrohr, aus dem ein federndes Stück Palmstengel einen Lolzpfeil schleudert (Textbild 15). Ferner verfertigen sie sich aus einem röhren­förmigen Stück Baumrinde, die sie, wie bei unserem Pfeifenschneiden, vom Zweig loslösen, ohne sie zu zerreißen, Knallbüchsen. Beide Öffnungen werden durch je einen Pfropfen aus nassem Bast verschlossen und der eine Pfropf dann durch ein Stöckchen

Fig. 15. Kinderspielzeug: Nohrflinte zum Abschnellen von Lolzpfeilen.

(Museum für Völkerkunde, Berlin, Nr. 6515.)