Sechstes Kapitel
Verkehrsmittel, Handel, Handwerk
1. Verkehrsmittel
In einem Land von so geringem Verkehr im Innern und nach außen, wie in Urundi, sind natürlich auch die Verkehrsmittel sehr primitiv. DieWege von Dorf zu Dorf, von Landschaft zu Landschaft, sind einfach getretene schmale Fußpfade, die alle Hindernisse rechts oder links umgehen, und da, wo dies nicht möglich ist, wie z. B. in den äußerst steinigen Quarzitgebieten Inner- und Ost-Llrundis, auch niemals ein Hindernis aus dem Weg räumen, sondern darüber wegsteigen. Diese Quarzitpfade sind daher für die nichteingebornen Karawanenträger oder gar für Europäer äußerst mühsam zu begehen. Dies um so mehr, als alle Wege Arundis wie Ruandas bestrebt sind, auf möglichst kurzer Linie die im Lande vorherrschenden langgestreckten Hügelrücken und Plateauflächen zu erreichen, um dort leicht fortlaufen zu können. Deshalb sind bei der Steilheit der vielen tief eingeschnittenen Täler die gerade hinauf und hinab über die Talhänge steigenden Pfade ein wahrer Greuel für jeden Nicht-Murundi.
Dazu kommt noch ein anderer, die Märsche erschwerender Umstand: Ganz Llrundi und Ruanda hat trotz der zahllosen Bäche und Flüsse fast gar keine Brücken (ikiraro). Der Hauptgrund für diesen Mangel ist das Fehlen von geeignetem Bauholz in diesen baumlosen Ländern. Aber auch wo es noch genügend Bäume gibt, baut man doch nur in den seltensten Fällen eine Brücke, weil die Täler fast immer in der ganzen Breite ihrer Sohle von Schilf- oder Papyrussumpf erfüllt sind, in dessen Mitte sich ein schmaler offener Wasserlauf entlang schlängelt; die Sümpfe sind zu breit zum Brückenschlägen.
Gewöhnlich watet man bis an die Knie oder Hüften im schwarzen, stinkenden Morast durch die sumpfigen Bachtäler. Seltener werden Papyruswedel und Röhricht bündelweise abgehauen, an- und aufeinandergelegt, so daß eine Art schwimmender Brücke entsteht, die ein allzu tiefes Einsinken der Passanten in den Sumpf verhindert. An breiten offenen Flüssen, wie dem Ruwuwu, dem Akanjaru, Luwironsa u. a., sucht man bekannte Furten auf und watet hindurch, indem man, oft bis an die Schultern im Wasser, sich gegen den Strom mit einen: Stock oder Speer stützt und alles, was nicht naß werden soll, in einem Bündel auf dem Kopf trägt. Dabei wird viel Geschrei gemacht, um die Krokodile zu verscheuchen. Wenn aber der Fluß zu tief ist, wird man von Einbäumen übergesetzt, womit die Anwohner sich einen Erwerb