Siebentes Kapitel
Politisches; Recht, Soziales; Clans, Totemismus
1. Krieg, Königtum, Lehnswesen
Die Geschichte der Barundi — soweit sie eine geschichtliche Überlieferung haben — zeigt, daß dieses Volk unter starken, energischen Königen außerordentliche kriegerische Taten vollbracht hat, die das Land lange Zeit vor der Bedrückung schwarzer oder arabischer Eroberer (Ruanda, Mirambo, Wangoni, Rumalisa) bewahrt hat. Erst der Niedergang der Dynastie in den letzten Jahrzehnten und der Mangel einer großen herrschenden Persönlichkeit hat auch den kriegerischen Geist und die kriegerische zusammenfassende Organisation geschwächt, so daß die deutsche Okkupation nicht auf besondere Schwierigkeiten gestoßen ist. Die heutigen Barundi, d. h. Ba- tussi, Bahutu und Batwa, sind trotz ihrer reizbaren, zu Streit und Prügelei neigenden Natur und trotz ihrer zahllosen inneren Fehden nicht kriegerisch nach außen. Sie sind friedlich, wenn man sie in Frieden läßt.
Auch früher in ihrer politisch starken Zeit führten die Barundi nicht große Kriege zu expansiver Eroberung wie die Wangoni und die Wahehe, sondern an der Tagesordnung war der innere Kleinkrieg des einen Murundihäuptlings gegen den andern, die ewige Clan- und Familienfehde im Lande selbst. Nur wenn fremde Eroberer eindrangen, wurde es bitterer Ernst; dann erhob sich nach verschiedenen kleineren Abwehrversuchen schließlich das ganze Volk unter seinem führenden König und warf den Eindringling hinaus. So z. B. den Araberführer Rumalisa mit seinen sklaven- jagenden Banden (S. 165).
Bei den inneren Zwistigkeiten und Kleinkriegen, wie sie auch heute noch oft genug vorkommen, ohne daß sich unsere Regierung viel einzumischen genötigt sähe, geht es selten sehr blutig zu. Wenn ein Ääuptling gegen seinen Nachbar Anlaß zu Streit und Klage hat, sucht er ihn erst friedlich durch „Zauberer" zum Nachgeben zu bewegen. Bleibt dies erfolglos, so schickt er ohne Kriegserklärung seine Leute gegen ihn aus. Der Kriegshaufe besteht fast nur aus Bahutu und Batwa, während die Batussi einige Anführer stellen, sich aber gewöhnlich vorsichtig zurückhalten. Der Bedrohte bekommt durch seine Freunde schnell Kunde von der nahenden Gefahr und weicht ihr entweder aus oder sucht nun durch seine Leute den Gegner an Äabe und Gut zu schädigen. Zeder ist bestrebt, seinem Feind soviel Rinder wie möglich wegzunehmen, soviel Männer zu verwunden oder zu töten wie möglich und durch nächtlichen Überfall die Gehöfte auszurauben, niederzubrennen und die Weiber gefangen wegzuführen. Selten kommt es zu offenem Kampf der beiden feindlichen Parteien, und selten werden in einem solchen Krieg mehr als ein Dutzend Menschen