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Die Barundi : eine völkerkundliche Studie aus Deutsch-Ostafrika / von Hans Meyer
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Elftes Kapitel

Geschichte. Kolonialpolitisches

1. Geschichte der Barundi

Die Geschichte der Barundi beginnt für uns erst mit der Mitte des 19. Jahr­hunderts. Als die Araber (1845) bis Adjidji vorgedrungen waren, erhielten wir die ersten Nachrichten über Arundi und seine Bewohner, worauf durch die Reisenden Burton und Speke (1858), später durch Livingstone und Stanley (1871 resp. 1876) weitere kurze Mitteilungen folgten. Aber alle diese Reisenden haben nur die äußerste Westperipherie Arundis gestreift; erst als in den 80 er und 90 er Jahren die katholischenWeißen Väter" im eigentlichen Arundi von Westen und Osten her Fuß gefaßt hatten, begann 1892 mit Oskar Baumann die wissenschaftliche Erfor­schung Arundis, an der sich auch die nun auf den Stationen Mujaga, Mugera und Marienheim angesiedelten Weißen Väter erfolgreich beteiligten. Vor allem hat sich Pater I. M. M. van der Bürgt um die Geographie, Ethnographie und Geschichte Arundis verdient gemacht und die Ergebnisse seiner in langjährigem Aufenthalt ge­wonnenen Beobachtungen und Forschungen in einer Reihe wertvoller Arbeiten, namentlich seinem viclionnaire ^ran^aiz-Kirundi, niedergelegt.

Anser Wissen von Arundi und seiner Geschichte ist also erst wenig über ein halbes Jahrhundert alt. Alles, was davor liegt, kennen wir nur bruchstückweise aus der Tradition der Eingeborenen, und zwar nur des Teiles der Eingeborenen, der erst vor wenigen Jahrhunderten eingewandert ist und heute die Herrschaft führt, der hamitischen B a tussi, während die alteingesessenen B a hu tu (Bantu) und die noch älte­ren Batwa(Pygmoiden) gar keine Tradition zu haben scheinen. Auch im übrigen liefert uns das Land selbst so gut wie gar kein Material zur Aufhellung der früheren Geschichte, denn es gibt keine Bautenruinen, keine Inschriften, keine vor der Batusfizeit liegenden Königsgräber u. dgl., und es können solche in Anbetracht des niederen Kulturstandes der ältern Bantu und Batwa auch nicht erwartet werden. Das einzige, was als prähistorische" Aberbleibsel gedeutet werden könnte, sind alte Steinwerkzeuge, die der Pater Grün in Nordost-Arundi (Bugufi) beim Häuptling Russengo wie auch in Karagwe gefunden haben soll und im missionarischen Sinn für semitischen Arsprungs aus der salomonischen Zeit (Ophir!) hält, aber Genaueres ist darüber nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es alteinheimisches, der afrikanischen neolithischen Kultur­periode angehörendes Steinwerkzeug, wie es auch sonst in Mittelafrika nicht gerade selten ist.