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Die Barundi : eine völkerkundliche Studie aus Deutsch-Ostafrika / von Hans Meyer
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Erstes Kapitel

Übersicht über Land und Volk'

(Vgl. hierzu die farbige Karte am Ende des Buches.)

1. Das Land Arundi

Im äußersten Westen Deutsch-Ostafrikas liegt eines der bisher am wenigsten be­kannten Länder Afrikas: Arundi. Im Norden grenzt es an Ruanda, im Osten an Assuwi und Aha, im Süden ebenfalls an Aha, im Westen an den Tanganikasee und den Russissifluß. Da Arundi nahezu 29000 qkm groß ist, also etwa doppelt so groß wie das Königreich Sachsen und über 1 Million (nach van der Bürgt sogar zirka 2 V 2 Mill.) Einwohner hat, so ist es schon deshalb der Beachtung wert; aber obwohl es nun schon über 25 Jahre deutsches Gebiet ist, wissen wir doch nur wenig von ihm. Wegen der Schwierigkeit seiner Bevölkerung hatte das Gouvernement das Land für den Außenverkehr fast ganz gesperrt, und die politische Beeinflussung beschränkte sich bis zum Jahre 1911 darauf, daß in Asumbura am Tanganikasee eine Station mit einem Residenten und einer Schutztruppenkompagnie errichtet war. Erst 1912 ist die Re- sidentur versuchsweise ins Landesinnere nach Gitega verlegt worden.

Oskar Baumann war der erste Europäer, der 1892 durch Nord-Arundi nach der Nilquelle am oberen Ruwuwu wanderte, worauf 189698 mehrere militärische Streifzüge der Schutztruppenoffiziere Ramsay, v. Trotha, Langheld, v. Langenn- Steinkeller, Fonck und des Dr. Kandt folgten; und 189699 errichtete die katholische Mission derWeißen Väter" die Stationen Asumbura (später nach Marienheim ver­legt), Mujaga und Mugera in Mittel-Arundi. Diesem Vorgehen der Europäer be­gegneten aber die Barundi feindlich, so daß die deutsche SchutzLruppe unter ihren Führern Bethe, v. Beringe, v. Grawert sich von 1900 ab mit dem Arundikönig Kisabo herum­schlagen mußte, worauf endlich die Barundi die Oberhoheit der Deutschen anerkannten. Diese Anerkennung ist aber nur nominell, denn unsre Macht ist dort viel zu klein, als daß schon eine deutsche Verwaltung in Arundi eingerichtet werden könnte.

Anter solchen Amständen hat auch die Erforschung Arundis keine wesentlichen Fortschritte machen können. Bloß die Völkerkunde ist in hohem Maß gefördert worden durch den Pater I. M. M. van der Bürgt, der viele Jahre in Arundi als Missionar tätig war und seine ausgezeichneten völkerkundlichen Studien in einem victionnuire ^run^uis-Kirunlli niedergelegt hat, das 1903 im holländischen Missions­verlag zu Bois le Duc erschienen ist. Aber die überaus zahlreichen ethnologischen und ethnographischen Angaben sind in diesem Buch so eng mit allerlei historischen und

* Ein Teil dieses Kapitels ist einem Vortrag entnommen, den ich im Frühjahr 1914 auf dem 19. Deutschen Geographentag in Straßburg gehalten habe.

Sans Meyer, Die Barundi.

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