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Die Barundi : eine völkerkundliche Studie aus Deutsch-Ostafrika / von Hans Meyer
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Neuntes Kapitel

Religion, Mythus, Kultus, Mission

1. Die Götter

Die Religion der Barundi läßt sich wohl am besten als Animismus und Totemis- mus bezeichnen, denen zahlreiche Elemente von Fetischismus (Talisman), Manismus (Ahnenverehrung) und Heroenkult beigemischt sind; der letztere ist in mancher Be­ziehung schon zum Götterkult geworden. Diese Mischung von Bestandteilen des totemistischen Zeitalters" mit demZeitalter der Helden und Götter" (Nr. 43, S. 116, 278) ist zweifellos die Folge der Mischung der alteingesessenen Batwa und Bantu mit den hamitischen Eroberern, die ihre totemistische Clangliederung und den Kult ihrer zu Stammesgöttern gewordenen Heroen dem Clansystem und den: Animismus und Fetischismus der Bantu und Batwa hinzugefügt haben. Alle diese sozialen und religiösen Elemente haben einander durchdrungen, teils in bloßem Nebeneinanderbestehen, teils in gegenseitiger Verschmelzung und Veränderung, so daß es meist schwer ist, die einzelnen Bestandteile rein herauszulösen und ihren Ursprung zu erkennen.

Den breitesten Raum in den religiösen Vorstellungen der Barundi nehmen der Animismus und der Dämonenglauben ein. An ihnen sind sowohl die Batwa und Bahutu als auch die Batussi beteiligt, aber die Batussi offenbar in viel geringerem Maß. Allem Anschein nach haben die Bahima hier wie im ganzen übrigen Zwischen- seengebiet höhere religiöse Ideen aus ihrer nördlichen Heimat mitgebracht, die den wüsten Dämonen- und Zauberglauben der Bantuneger teilweise zurückgedrängt und dem Ahnenkult größere Bedeutung gegeben haben. Freilich hängt die große Volks­masse der Bahutu dem alten niedern Dämonen- und Zauberglauben, der der Geistes­richtung der Bantu so gut entspricht, an wie zuvor. Die Barundi denken sich alles beseelt. Wie bei den meisten noch im Stadium des animistischen Denkens befindlichen Naturvölkern, knüpfen ihre Vorstellungen von einer immateriellen Seele an die Beob­achtung an, daß im schlafenden Körper etwas lebt, was nicht ruht, sondern denkt, sieht und herumschweift, denn im Traum sieht dieser unser immaterieller Teil nicht nur die Welt, so wie wir mit wachen Augen, sondern er begegnet auch den Verstorbenen, die also auch nach ihrem Tod immateriell fortbestehen. Wenn dieses immaterielle Etwas, die lebenerzeugende Seele, den Körper dauernd verläßt, stirbt der Mensch.

Die von W. Wundt und C. Meinhof für den totemistischen Gedankenkreis als charakteristisch bezeichnete Unterscheidung zwischen der Körper- oder Schattenseele und