Zweites Kapitel
Siedelung, Wohnung, Nahrung
Zn Arundi und Ruanda ist die Oberflächengestalt des Landes, die Form und Art seiner Plateaus, Hügel, Berge und Täler, von bestimmender Bedeutung für die Form und Lage der Siedelungen. Da der weitaus größte Teil des Landes Plateauland ist, das die starke Erosion in zahllose lange und kurze, oben abgeflachte Rücken und Hügelwellen mit meistens tiefen, ziemlich steilwandigen Tälern zerschnitten hat, und da die Mehrzahl der Täler von Papyrussümpfen erfüllt ist, die man nur an wenigen Stellen überschreiten kann, sind nicht, wie bei uns, die Täler die geeignetsten Siedel- plähe für die Menschen, sondern die Lohen. Die Versumpfung der Talsohlen, die heiße stagnierende Luft in den Niederungen, die Anzahl von Moskitos und Stechmücken und die oft große Steilheit der Talhänge drängen die Menschen mit ihren Wegen und ihren Siedelungen auf die freien luftigen Plateau- und Lügelrücken hinauf, während in den meisten Tälern nur Äcker von solchen Feldfrüchten liegen, die viel Feuchtigkeit brauchen. Die Funktion der Täler ist in den meisten Gegenden Arundis und Ruandas nicht eine die Menschen verbindende, sondern eine sie trennende. Deshalb ist hier wie dort die Gliederung des Volkes und des Staates in kleine Gemeinwesen von Natur gegeben (s. S. 89), deswegen aber auch die künftige Erschließung des Landes durch Straßen oder Bahnen ungemein erschwert. Viel weniger sumpfig und weniger steil sind die Täler in vielen Teilen der östlichen, Lrockneren Quarzitgebiete. Auch sind dort weit und breit die Oberflächen der Plateaurücken und Hügelzüge so steinig und steril durch die ausgewitterten Quarzitbrocken (s. Taf. 2 b), daß die Menschen die Löhen meiden und sich mit Vorliebe an den Talflanken da ansiedeln, wo unterhalb der zerklüfteten Quarzite auf der oberen Schichtgrenze der schwer durchlässigen Tonschiefer die Quellen austreten und die tonigen Verwitterungsböden fruchtbarer und leichter zu bearbeiten sind als die darüberliegenden Quarzite.
Schon aus dieser natürlichen Verschiedenheit der Gegenden erklärt es sich, daß die Bevölkerung recht ungleich über das Land verteilt ist.
Die Zahl der Eingebornenin Arundi wird vorn Gouvernement auf IVz bis 2 Millionen geschäht („Die deutschen Schutzgebiete 1912/13", Amtliche Jahresberichte, S. 8—9). Dieser große Spielraum beweist, daß Zählungen in den Einzelgebieten bisher unausführbar waren. Hier wie in Ruanda wird erst die Aufstellung von Steuerrollen einmal genauere Zahlen bringen. Nach meinen und anderen neueren Beobachtungen ist die Zahl von 2 Millionen überschätzt; I V 2 Millionen dürfte richtiger sein. Einige Missionare freilich, auch Pater v. d. Bürgt, nehmen sogar mehr als 2 Mil-
Lans Meyer, Die Barundi. 2