2 Einleitung.
Vorgeschichte der Entstehung dieser Tagebuchblätter kurz kennzeichne. Da muß ich denn bis auf unsere Schulzeit in Liegnitz zurückgehen. Daß der damalige Schüler der Nitterakademie, Tom Prince, und ich füreinander bestimmt seien, das unterlag für uns beide schon damals keinem Zweifel, und diese Schülerliebe hat sich bewährt; aus-den Kindern wurden Leute, das Schicksal führte uns weit auseinander: Tom wurde Offizier beim Infanterie-Regiment Nr. 99 in Straßburg im Elsaß und ich kam nach Königsberg i. Pr., wo mein Vater als Rittmeister bei den Wrangel-Kürassieren stand. Das war ungefähr das Höchste, was wir uns im Deutschen Reiche an Entfernung leisten konnten, es sollte aber noch ganz anders kommen. Zu jener Zeit zogen die kühnen und erfolgreichen Kämpfe Hermann Wissmanns und seiner tapferen Schar die Augen der Welt aus unsere junge Kolonie. Zu dem Tatendrang des jungen Leutnants kam die Sehnsucht nach den Tropen, wo einst seine Wiege gestanden. Tom ist auf der Insel Mauritius (Ile cke ^ranoe) geboren, wo sein Vater englischer Polizeigouverneur war, er entstammt einer englischen Familie; seine Mutter war deutscher Abkunft, eine Tochter des Missionars Ansorge, der viele Jahre hindurch in Indien gewirkt hat. So hielt es den jungen Offizier nicht länger in dem Einerlei des Garnison- dienstes.
Der Name Wifsmann war ein mächtiger Magnet für die kriegerische Jugend Deutschlands; zur Zeit, als Tom auf eigenes Risiko sich auf den Weg machte, um in der Wissmannschen Schutztruppe Dienst zu nehmen, standen ungefähr 1500 Anwärter vor ihm auf der Liste. In Sansibar heuerte er gleich nach seiner Ankunft eine Dhau, um so rasch als möglich sein Ziel zu erreichen. Diese Llngeduld sollte verhängnisvoll werden: das kleine Fahrzeug erlitt Schiffbruch, die arabische Bootsmannschaft ertrank, und nur Tom wurde gerettet, nachdem er 13 Stunden lang mit Hilfe einer Holzkiste sich über Wasser gehalten! All sein Gepäck, sein Geld, seine Papiere waren verloren. So gelangte er zu Wifsmann, der ihn vorläufig seiner Truppe beigab, dann aber als Offizier einstellte, nachdem die erforderlichen Papiere