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verdanken hat, ist durch seinen wiederholten Aufenthalt in Brasilien zu dem Entschluss gekommen, mit allen Kräften die deutsche Auswanderung in die fruchtbaren Distrikte des Nordwestens von Bio Grande zu lenken. Sehr leicht und schnell hätte er ja Polen, Italiener und andere Siedler in genügender Menge für seine Kolo- nieen, die im Gebiet der zukünftigen Rio Grande - Nordwestbahn liegen, haben und so seinen Grundbesitz nach brasilianischem Muster ohne jedes Bedenken finanziell umwerten können, aber in anerkennenswerter Weise will er gerade diese Gegend, in der übrigens schon viele deutsche Siedler aus den alten Kolonieen ihren neuen Wohnsitz auf billigem und gutem Boden aufgescHlagen haben, dem deutschen Nachwuchs der Kolonisten und der Zuwanderung deutscher Immigranten reservieren. Dieses grosse Gebiet, welches auf lange Zeit Raum genug für unsere Auswanderung bietet, will die genannte Bahngesellschaft in Verbindung mit den bereits bestehenden Schienenwegen des Staates bringen und wird sicher prosperieren. Hier wäre also eine Gelegenheit, ideale, grossdeutsche Ziele in Verbindung mit direkt kommerziellen Interessen zu bringen. Ausländisches Kapital scheint leider wieder eher den Wert dieser Bahnkonzession zu begreifen als unser deutsches, welches nach den trüben Erfahrungen auf dem Industriemarkte doch Grund genug hätte, einmal den Grund und Boden als Deckung zu suchen, zumal wenn er in deutschen Händen ist.
Allmählich scheint sich der von uns verfochtene Gedanke auch in den Kreisen Bahn zu brechen, in welchen man die Aus-, i Wanderung nach Brasilien schel ansah. Zwar auch heute dürfen wir ( von den Regierungen der deutschen Bundesstaaten keine besondere j offizielle Ermutigung erwarten, denn gewisse Erscheinungen der letzten Tage, merkwürdige Erlasse einzelner Behöi'den, in denen I vor unüberlegter Auswanderung nach Brasilien gewarnt wird,
1 deuten darauf hin, dass man aus Eurcht vor Parteiinteressen ge- 1 wichtiger Art es nicht wagt, die Notwendigkeit der Auswanderung lanzuerkennen und damit auch die Pflicht zu übernehmen, Auswande- trungslustige in das rechte Land zu lenken. Die Auswanderung Wird gerade infolge unserer heutigen wirtschaftlichen Lage nicht nachlassen, auch die immer wieder vorgebrachte Klage über die Arbeiternot in landwirtschaftlichen Betrieben wird daran nichts ändern. Aber einstweilen hält man sich in massgebenden Kreisen zurück, und damit ist eine Verfechtung unserer Ideeen sehr erschwert. Was wir in Brasilien vor allem brauchen, ist frisches Blut, frisches deutsches Blut. Noch sind die Nachkommen der alten Siedler deutsch an Leib und Seele geblieben, noch gehört die Heirat eines Deutschen mit einer Brasilianerin zu den Seltenheiten, noch haben unsere Stammesbrüder allen Amalgamierungs-