■weiter, weiter Ferne die dunstumlagerten Züge eines Gebirges, alles überflutet vom silbernen Licht der Sonne, in deren Glut die Luft zu Mittag leise zitternd steht, alles gebadet in blinkendem Silber, das in unendlichen Reflexen sich bricht an stumpfem Steppengras, welches noch graufarbiger darin erscheint, und den gelben Rispen und Halmen verdorrter Gräser. Aus kleinen Lachen mit dunklen Binsen und Röhricht, an schmutzigen Wassertümpeln, deren Rand unendliche Viehspuren bedecken, flattert der Kiebitz, der quero-quero, mit gellendem Schrei und scheint als einziger Vorposten die Stille alarmieren zu wollen, während das graue Rebhuhn erschreckt aufflattert; nur der kleine Stossfalke hockt ruhig auf dem Pfosten eines Zaunes, und seine blanken Lichter spähen nach Beute.
Die ungeheuren Campos erstrecken sich über den ganzen Süden des Staates, von einigen Gebirgszügen durchsetzt. Im Nord- westen aber breiten sich die Hochländer in unabsehbare Fernen, um im Gebiete des Uruguay in den Bezirk der alten Jesuitenreduktionen überzugehen, die jetzt durch die Anlage der Rio Grande- Kord westbahn wieder dem Verkehr erschlossen und mit deutschen Kolonisten besetzt werden sollen. Manche Spuren, mächtige Portale und Rundbögen, gestürzte Riesensäulen mit reichbehauenen Kapitalen, hochstrebende dicke Mauern mit Geheimgängen, Treppen und Nischen, erinnern noch an die Glanzzeit des Ordens Jesu in diesen Breiten, besonders die Kirche des heiligen Michael, deren Ruinen heute noch an jene Vergangenheit mahnen, als die Patres hier ein strammes Regiment führten, die grossen fruchtbaren Ebenen von fleissigen und gehorsamen Indianern in blühende Gefilde verwandelt wurden, morgens und abends die mächtigen Glocken von S. Miguel die Menge der braunen Christen zu Messe und Gebet riefen, das der Priester in den Lauten Roms sprach, als die Weihrauchkessel dampften und die Schellen der Ministranten die Wandlung des Allerheiligsten begleiteten und die „sprechenden“ Heiligenbilder an den Wänden die gläubige Menge mit dem Willen Gottes und seiner Priester bekannt machten.
Über den Campo laufen die Wege in das Waldgebiet der deutschen Kolonieen. Leichte grüne Planwagen und schwere Frachtwagen vermitteln den Verkehr zwischen den Städtchen der Kolonieen und den Stationen der Eisenbahnen und Dampferlinien. Die Wagen, welche täglich den Post- und Passagierdienst versehen, haben keine Federn und stossen bedenklich, wenn die Räder über Steine und Wegfurchen hinrasseln. Ist die Witterung trocken, so ist der Boden des Campo und damit auch der Weg fest. Wehe aber, wenn des Regens rauschende Fluten ihn aufgeweicht haben! Da quält sich das G espann mühsam durch zähen Lehm und schlüpf-