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Deutsche Siedlung über See : ein Abriss ihrer Geschichte und ihr Gedeihen im Rio Grande do Sul / von Alfred Funke
Entstehung
Seite
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weiter, weiter Ferne die dunstumlagerten Züge eines Gebirges, alles überflutet vom silbernen Licht der Sonne, in deren Glut die Luft zu Mittag leise zitternd steht, alles gebadet in blinkendem Silber, das in unendlichen Reflexen sich bricht an stumpfem Step­pengras, welches noch graufarbiger darin erscheint, und den gelben Rispen und Halmen verdorrter Gräser. Aus kleinen Lachen mit dunklen Binsen und Röhricht, an schmutzigen Wassertümpeln, deren Rand unendliche Viehspuren bedecken, flattert der Kiebitz, der quero-quero, mit gellendem Schrei und scheint als einziger Vor­posten die Stille alarmieren zu wollen, während das graue Reb­huhn erschreckt aufflattert; nur der kleine Stossfalke hockt ruhig auf dem Pfosten eines Zaunes, und seine blanken Lichter spähen nach Beute.

Die ungeheuren Campos erstrecken sich über den ganzen Süden des Staates, von einigen Gebirgszügen durchsetzt. Im Nord- westen aber breiten sich die Hochländer in unabsehbare Fernen, um im Gebiete des Uruguay in den Bezirk der alten Jesuiten­reduktionen überzugehen, die jetzt durch die Anlage der Rio Grande- Kord westbahn wieder dem Verkehr erschlossen und mit deutschen Kolonisten besetzt werden sollen. Manche Spuren, mächtige Por­tale und Rundbögen, gestürzte Riesensäulen mit reichbehauenen Kapitalen, hochstrebende dicke Mauern mit Geheimgängen, Treppen und Nischen, erinnern noch an die Glanzzeit des Ordens Jesu in diesen Breiten, besonders die Kirche des heiligen Michael, deren Ruinen heute noch an jene Vergangenheit mahnen, als die Patres hier ein strammes Regiment führten, die grossen fruchtbaren Ebenen von fleissigen und gehorsamen Indianern in blühende Gefilde ver­wandelt wurden, morgens und abends die mächtigen Glocken von S. Miguel die Menge der braunen Christen zu Messe und Gebet riefen, das der Priester in den Lauten Roms sprach, als die Weih­rauchkessel dampften und die Schellen der Ministranten die Wand­lung des Allerheiligsten begleiteten und diesprechenden Heiligen­bilder an den Wänden die gläubige Menge mit dem Willen Gottes und seiner Priester bekannt machten.

Über den Campo laufen die Wege in das Waldgebiet der deutschen Kolonieen. Leichte grüne Planwagen und schwere Fracht­wagen vermitteln den Verkehr zwischen den Städtchen der Kolo­nieen und den Stationen der Eisenbahnen und Dampferlinien. Die Wagen, welche täglich den Post- und Passagierdienst versehen, haben keine Federn und stossen bedenklich, wenn die Räder über Steine und Wegfurchen hinrasseln. Ist die Witterung trocken, so ist der Boden des Campo und damit auch der Weg fest. Wehe aber, wenn des Regens rauschende Fluten ihn aufgeweicht haben! Da quält sich das G espann mühsam durch zähen Lehm und schlüpf-