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redende — welche teils offiziell, so durch das Konsulat und den Verein zur Fürsorge für Einwanderer, die Geistlichen der beiden Konfessionen und zahlreiche andere Korporationen, teils privatim; so die vielen deutschen Kaufleute, welche stets bereitwilligst dem Landsmann zur Hand gehen, dafür sorgen, dass der „frische Deutschländer“ nicht hilf- und ratlos dasteht. Schon im Hafen Rio Grande nimmt der deutsche Konsul Herr Gustav Poock sich der Ankommenden in menschenfreundlichster Weise an, und der Generalbevollmächtigte für das Meyersche Unternehmen in Porto Alegre, Dr. Horst Hoffmann, sorgt in seiner Eigenschaft als Verweser des deutschen Konsulates dafür, dass der Einwanderer auf vorteilhafteste Weise an sein Ziel gelangt. Von Porto Alegre führen Dampfer- und Eisenbahnlinien in alle Gebiete der deutschen Koloniezone wenigstens soweit, dass von ihrem Endpunkte aus die Erreichung selbst der neuesten Siedlungen leicht bewerkstelligt werden kann.
Um in kurzem Abriss ein anschauliches Bild von einer neuangelegten Kolonie zu geben, wie sie in Zukunft in erster Linie aufgesucht werden dürften, benutzen wir die Schilderung Neu- Württembergs, welche Dr. Meyer in seiner neuen Broschüre „Die Privatkolonieen von Dr. Hermann Meyer in Rio Grande do Sul“ pag. 11 ff. entwirft.
„Zwei stattliche Flüsse, die Palmeira und die Fiusa, die dem Jjuhy Zuströmen, begrenzen die bisher angelegte Kolonie im Korden und Süden. Zweihundert Kolonieen zu ca. 25 000 qm liegen auf diesem leicht hügeligen, schweren Waldlande. Aber um weitere 200 wird die Kolonie jetzt noch nach Westen hin bis zum Zusammenfluss der beiden Flüsse und nördlich der Palmeira erweitert. Eine schöne feste Brücke führt über die Fiusa und bildet den Eingang in die Kolonie, die von der letzten Stadt, Cruz alta, aus bequem zu Wagen in 5—6 Stunden, von der Bahnstation Poron- gos in drei Stunden zu erreichen ist. Nachdem wir etwa 2Ö Minuten durch die ersten Kolonieen hindurchgefahren sind, öffnet sich der Blick auf ein kleines freies Plateau mit einer Reihe von Häusern, prächtig an einem kleinen von Waldhügeln umrahmten See gelegen, in dem eine Mühle lustig ihr Klappern hören lässt. Es ist das der Stadtplatz der Kolonie, der gerade vermessen worden ist. Ein stattlicher neuer Holzbau dient der Kolonie als Herberge für die neuen Ankömmlinge. Ein Geschäftshaus, das zugleich als Wirtshaus dient, und verschiedene andere Bauten reihen- sich an. Im Grunde erblicken wir die laDgen Dächer einer Ziegelei, Auch die Schule wird, da das alte Gebäude zu weit abgelegen ist, im neuerbauten Einwandererhaus vorläufig von einem