kleineren Gläubiger hat das Nachsehen. So sind z. B. im Muni- zip Santa Cruz in den letzten Jahren ganz erhebliche Kapitalien der Kolonisten verloren gegangen.
Von einer erneuerten deutschen Einwanderung aber ist auch in Bezug auf die Wirtschaft und .den Handel ein neuer Impuls zu erwarten. Wir dürfen nicht vergessen, dass die älteren Ansiedler seit Jahrzehnten fast ohne erheblichen Zuzug aus der Heimat geblieben sind, dass ihre Anschauungen daher notwendig in dem Gesichtskreise bleiben mussten, in dem sie im Urwalde gelebt haben, dass vor allen Dingen durch die lange Unterbrechung der deutschen Einwanderung die Intelligenz und Thatkraft mir sehr spärlich aus Deutschland den Urwaldpionieren nachging, dass sie bei dem mangelnden Interesse des Heimatvolkes ganz auf sich selbst angewiesen w T aren. Daher sind trotz aller momentanen Schwächen ihre Leistungen ganz respektable gewesen und verdienen die höchste Anerkennung. Wenn nun aber auf neuen Siedlungen unter sachverständiger Leitung, bei thatkräftigem Interesse der Heimat neue Wege eingeschlagen werden, neue Kulturen - erprobt, durch direkten Absatz der Produkte erhebliche Vorteile gewonnen werden, wenn unternehmende neue Kolonisten praktisch beweisen, dass nicht in der alten Raubwirtschaft und dem Anbau weniger Gewächse die Zukunft der Landwirtschaft liegt, dass sie moderne Wege gehen muss, um wieder zur alten Höhe zu kommen, so werden auch die alten Kolonieen den praktischen Nutzen von dieser erneuten Thätigkeit haben.
Noch einen Punkt müssen wir hervorheben. Wer je in brasilianischen Städten für seine Kinder frischer Milch, für seinen Tisch frischer Butter benötigt hat, weiss, dass es leichter ist, Sekt und Caviar in den Läden zu finden, als die genannten Produkte. Aus Dänemark kommt die Butter, die Anglo - Swiss - Milk muss als Ersatz für frische Milch dienen, nur die allernächste Umgebung der Städte liefert diese Waren, noch dazu in oft zweifelhafter Erische. Auf eine rationelle Viehzucht giebt der Kolonist gar nichts. Nur der Schweinezucht widmet er seine Aufmerksamkeit, um seine Maisernte vorteilhaft durch die Mast der Tiere zu verwerten. An eine reguläre Stallfütterung, welche auch den Anbau des nötigen Grünfutters bedingte, denkt er nicht. Dabei könnte aber eine gut organisierte Gesellschaft, welche in den Pikaden ihre Zweigstellen hätte, besonders durch gute Butter in Dosen auf jedem brasilianischen Markte grosse Geschäfte machon.
Wenn trotz aller herrschenden Übelstände unsere Kolonieen wirtschaftlich lebensfähig geblieben sind, so ist das ein Beweis dafür, dass sie bei Einführung neuer Kräfte, Anbahnung neuer Produktionswege und Erweiterung ihrer Arbeitsfelder noch in ganz