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fehlenden Gemeinden so gross an wie bei denen, welche Angaben gemacht haben, so bestände die Synode aus 43000 Seelen.
Nun sind aber die deutschen Protestanten, die noch ausserhalb des Synodalverbandes leben, auf ebenso viel zu rechnen. Denn dazu gehören die drei Städte Porto Alegre, Rio Grande und Pe- lotas, das ganze Gebiet der Kolonie S. Louren .90 mit starker deutscher Bevölkerung und alle die Gemeinden, die noch von Pseudogeistlichen bedient werden und die sich noch von S. Antonio da Patrulha im Osten bis über Sta. Maria da Bocca do Monte durch die ganze Koloniezone hinziehen; weiter die jungen Niederlassungen, die sich noch nicht als Kirchengemeinden konstituieren konnten, und endlich die Pamilien, die, über das ganze Land zerstreut, sich keiner kirchlichen Gemeinschaft anschliessen können. Überall aber finden sich unter den Brasilianern, Italienern und Polen auch Deutsche als Handwerker, Lehrer und Kaufleute. So wird es unzweifelhaft, dass die Zahl der deutschen Prostestanten nicht viel unter 100000 bleiben wird. Rechnen wir dazu die 50000 deutschen Katholiken, so gewinnen wir für die Gesamtheit der Deutschen in Rio Grande do Sul die Zahl von ca. 150 000 Seelen.
Die starke Vermehrung der deutschen Einwanderer ist ohne Zweifel auf die günstigen klimatischen und gesundheitlichen Verhältnisse zurückzuführen. Während das Klima in den Hafenstädten dem Deutschen im allgemeinen wenig zusagt — die Stadt Rio Grande hatte im Jahre 1900 eine Eieberepidemie, die Zahl der Todesfälle unter den Kindern in den ersten Lebensjahren ist eine verhältnismässig hohe infolge der plötzlichen Temperaturwechsel an der Küste — sind die Lebensbedingungen in der Zone der höher gelegenen deutschen Kolonieen dem Deutschen unbedingt günstig. Die Hitze des Sommers wird in den Gebirgsgegenden niemals imerträglich, die Kälte ist geling; höchstens ein tüchtiger Reif stellt sich in kalten Winternächten ein. Die Ernährung der Kolonisten ist eine durchweg bessere als im Vaterland und die körperliche Arbeit auf dem Acker trägt zur Erhaltung einer kräftigen Konstitution bei. Die Notwendigkeit, alles zur Lebensnotdurft selbst zu schaffen, haben unseren Stammesbrüdern in den Kolonieen eine grosse körperliche Ausdauer, verbunden mit praktischem Sinn, Gewandtheit und — grosser Sparsamkeit mit erworbenen Gütern verliehen. Es sind daher besonders die älteren Siedlungen von verhältnismässig grossem Wohlstand.
Auch durch die Eauna des Landes wird der Kolonist nicht sonderlich in seinem Dasein gefährdet. Man begegnet oft im deutschen Vaterland den absonderlichsten Vorstellungen über die