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Deutsche Siedlung über See : ein Abriss ihrer Geschichte und ihr Gedeihen im Rio Grande do Sul / von Alfred Funke
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r, . r.-r

Gesetzesparagraphen. Der Deutsche also behalte in Brasilien das gute Wort im Gedächtnis: Ein magerer Vergleich ist besser als

ein fetter Prozess. Glücklicherweise meiden unsere Landsleute nach Kräften die Bekanntschaft mit der Justiz.

Im Vorstehenden haben wir versucht, in möglichst knapper Weise, die Verhältnisse aller Art zu präzisieren, in welche der deutsche Einwanderer eintritt, falls er Rio Grande do Sul zu seinem Ziele erwählt. Es bleibt uns noch zu erwägen, welche wirtschaftlichen Folgen eine Verstärkung der deutschen Bevölke­rung durch neuen Zuwachs haben würde.

Die Produktion der älteren Kolonieen hat sich wesentlich auf den Bau von Mais, Mandioca, Bohnen, Reis, Tabak und ihre Verarbeitung beschränkt. Die massenhafte Hervorbringung dieser Erzeugnisse hatte besonders in den Anfangsjahren deutscher Kolo­nisation ein tiefes Sinken der Preise zur Folge, sodass z. B. in den Pikaden um Santa Cruz der Preis für schwarze Bohnen vor drei Jahrzehnten so gering werden konnte, dass auch der weite Transport bis zum Hauptmarkt in Porto Alegre nicht mehr lohnte. Die Folge davon war, dass die Kultur dieses Zweiges der Landwirtschaft allmählich derartig sank, dass im letzten Jahr­zehnt eine erhebliche Nachfrage und damit ein eminentes An­ziehen der Preise enstand. Natürlich hatte dieser Effekt wieder eine Massenproduktion an Bohnen zur Folge, diese aber ein er­neutes Sinken des Preises.

Dieses eine Beispiel ist bezeichnend für die Schädlichkeit der Wirtschaft, welche im allgemeinen auf den deutschen Kolonieen getrieben wird. Mit der überlieferten einfachen Raub Wirtschaft, w r elche oft in eine sinnlose Niederlegung des so wichtigen Waldes überging, ohne an eine Aufforstung zu denken, hat der Bauer in ||

zweiter und dritter Generation auch die ewig gleiche Art der Kultur übernommen, ohne zu bedenken, dass eine fortwährend gleiche Produktion degenerieren und den Marktwert verlieren muss.

Der Boden, auf welchem der Urwald gestanden, giebt Jahrzehnte lang zwar Ernte um Ernte, ohne eine Düngung zu verlangen, aber selbst diese strotzende Üppigkeit der Natur muss schliesslich nach- lassen, wenn ihr keine Zeit zur Ruhe gegönnt wird. Um aber -einen Teil seines Landes brach liegen lassen zu können, muss der Bauer auf seinem Besitztum Raum genug haben, um die gleiche Ernte machen -zu können, wie in vergangenen Jahren. Aber durch das zähe Festhalten am väterlichen Wohnsitz, die Abneigung der Kolonistensöhne, in die Fremde zu ziehen, die Sucht, für noch so schweres Geld einen Fetzen Land in der heimatlichen Pikade au erwerben, nur um in der alten Umgebung zu bleiben, während in neuen Kolonieen Hunderte von frischvermessenen Losen junger