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Meinung als Norm an. In Zwistigkeiten mit dem Empfänger entstehen sodann unzählige, kostspielige und langwierige Schreibereien an die höchste Instanz in Rio; bekommt der Privatmann wirklich Recht, so kann er sicher sein, dass erstlich die Remedur des Verfahrens der Zollbeamten so spät eintrifft, dass sie für den Kaufmann allen Wert verloren hat, dann aber, dass bei jeder passenden Gelegenheit man ihm seine Beschwerde mit unzähligen Chikanen eintränken wird. Gewöhnlich aber ist der Zollinspektor ein Vetter oder Patenkind des Ministers und bekommt natürlich Recht. Lieber ballt der Kaufmann die Paust im Sack und macht gute Miene zum bösen Spiel. Unglaublich sind die Zustände, welche bei der technischen Behandlung der ankommenaen Wai'en herrschen. Rücksicht auf deren Inhalt zu nehmen, fällt keinem Beamten oder Arbeiter ein. Will also der Empfänger empfindlicher Waren nicht alles einbüssen, so ist er gezwungen, selbst im Zollamte auf die Abfertigung seiner Sendung zu warten oder einen Vertreter dort zu haben. Diese Notwendigkeit verteuert natürlich den Bezug der Waren erheblich. Auch die Sicherheit für die richtige Aushändigung der Waren ist nur eine relative. Es ist gar keine Seltenheit, dass einmal Gegenstände verschwinden — die Zollwächter wollen auch leben. Hin und wieder wird dann ein Exempel statuiert, hilft aber nicht auf die Dauer. Der Brasilianer kennt eben kein Pflichtgefühl. Es ist immer thöricht, einen Zollbeamten an seine Pflicht zu erinnern, denn dann rächt er sich durch die höchsten Zollsätze an dem ahnungslosen Europäer, der da glaubt, die Beamten seien des Publikums wegen da. Viel weiter kommt man mit einigen guten Worten, auch schwerwigende Händedrücke sollen gelegentlich erheblich auf die Beschleunigung des Tempos wirken — kurz und gut, es ist eine wahre Schande, den Betrieb in den Zollämtern zu sehen.
Zu den Scherereien im Zollbetriebe kommt nun noch die Kontribution an die englische Bank. Direkte, geordnete Steuererhebung kennt Brasilien nicht. Die Zollämter sind in erster Linie die Einnahmequellen für den Staat. Da dieser aber seine Zinszahlungen in Gold leisten muss und zwar fast ausschliesslich in London, so müssen bei dem vollständigen Mangel an brasilianischen Goldmünzen die Zollämter andere Goldstücke schaffen, natürlich auf Kosten des Handels. Letzterer hat darum heute 25 Prozent der fabelhaften Zollsätze in brasilianischem oder englischem Gold zu zahlen. Das erstere fehlt, also wandert der biedere Bürger zur London and Brazilian Bank oder einem Wechsler und ersteht für schweres Geld englische Pfunde oder Bankcheks, die auf englisches Gold lauten. Deutsches Gold wird nicht angenommen! Unsere viellieben Vettern vom Kanal wissen eben aus jedem Rohr