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Tierwelt von Rio grande do Sul, in denen nur von Tigern, Krokodilen und Schlangen gefaselt wird.
Wir wollen nur konstatieren, dass die gesamte Tierwelt des Landes dem Kolonisten niemals gefährlich, sondern als Jagdbeute nützlich wird. Die eigentlichen Haustiere sind im Laufe der Jahrhunderte durch die Portugiesen und Spanier eingeführt worden. Heute bevölkern viele Tausende von Pferden und Rindern, Maultieren und Eseln die grossen Pampas und Campos Südamerikas.
Auch die Flora des Landes ausführlich zu beschreiben, gebricht es uns hier an Zeit und Raum. Nur so viel wollen wir bemerken, dass auf dem unerschöpflichen Boden von Rio Grande jede Pflanze gedeiht, wenn sie die nötige Pflege findet. Besonders der Boden, auf dem die Wildnis des Urwaldes durch Ast und Feuer entfernt wurde, ist von einer fast unglaublichen Fruchtbarkeit. Zwanzig Jahre lang giebt dasselbe Stück Waldland eine Maisernte grössten Ertrages ab. Der offene Campo, auf dem noch im Anfänge des neunzehnten Jahrhunderts Weizenbau betrieben wurde, ist bisher weniger von deutschen Ansiedlern aufgesucht worden, da zum Fortkommen des deutschen Bauern der Wald gehört. Erst neuerdings geht der riograndenser Grossindustrielle Rheingantz mit dem Plane um, die Fruchtbarkeit des Campo wieder auf rationelle Weise für die Weizenkultur zu erschliessen.
Die Kulturpflanzen, welche besonders auf den deutschen Siedlungen gedeihen, sind: der Mais, Milho (sprich Miljo), die schwarze Bohne, Kartoffel, Batate, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Reis, Mandioca, Zuckerrohr, Erdnuss, Tabak, Lein, Erbsen, Linsen, Rizinus (mamona), alle Arten Gemüse, Melonen, Bananen, Orangen, Nüsse, Citronen, Wein und viele eingeführte Obstarten.
Der Mais ist das Haupterzeugnis der deutschen Landwirtschaft , welche sich allerdings noch immer in den Bahnen des gewöhnlichen Raubbaues bewegt. Der Mais liefert das gewöhnliche Brot der Kolonisten, wird aber auch zur Schweinemast gebraucht. Er bildet natürlich auch das Kraftfutter für Pferde, Maultiere, Rindvieh und Geflügel.
Die schwarze Bohne, eine eingeführte afrikanische Phaseolus- art, wird überall in Brasilien als Nationalgericht geschätzt. Auf Äckern, welche von Natur sehr mager, oder durch Raubbau fast ausgesogen sind, gedeiht immer noch der Cassavestrauch oder die Mandioca, von der zwei Sorten Vorkommen: Mankiot utilissima, die giftige, und Manhiot Aipi, die süsse. Die Pflanzen gehören zu den Euphorbiaceen und werden bis zu zwei Metern hoch, ihre knollenartigen Wurzeln, oft bis zu 15 kg schwer, enthalten den Mehlstoff, der als Farinha, Arrowroot oder Tapioca in den Handel kommt.