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Kolonialgeschichte der Neuzeit : ein Abriss / von Veit Valentin
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Fünftes Kapitel.

Die französische Kolonisation.

Frankreich ist eine der großen Kolonialmächte der Gegenwart und eine der großen Kolonialmächte der Vergangenheit. Spanien, Portugal und Holland halten heute nur noch Ueberbleibsel ihres Kolonialbesitzes fest. Ihre koloniale Großzeit gehört der Vergangenheit an. Frankreich hat ein Kolonialreich verloren, aber ein neues gewonnen. Nur ein ganz geringfügiger Besitz ist beiden Reichen gemeinsam. Dieses Doppelschicksal ist das Charakteristische der französischen Kolonisation: es be­ruht auf den Grundeigenschaften des kolonisierenden Frankreich.

Beide Kolonialreiche, das alte und das neue, stehen in geschichtlich entscheidender Beziehung zu England. Das alte Kolonialreich ist im Wettkampf mit England geschaffen worden, und England hat es vernichtet. Das neue Kolonialreich ist, so kann man sagen, mit eng­lischer Erlaubnis entstanden. Wiederholt hat Frankreich durch seine Kolonialentwickelung Eifersucht erregt; Eng­land mußte sich erst daran gewöhnen, daß Frankreich Algier in Besitz nahm, und um Faschoda ist noch ein­mal der jahrhundertealte Gegensatz grell zum Ausbruch gekommen: seitdem ist Frankreich endgiltig eine Kolo­nialmacht und damit eine Großmacht von Englands Gnaden.

Die beiden Kolonialreiche Frankreichs haben ihre besondere Geschichte. Es sah eine Zeitlang so aus,