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Kolonialgeschichte der Neuzeit : ein Abriss / von Veit Valentin
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Zweites Kapitel.

Die spanische Kolonisation.

Daß Spanien eine große koloniale Macht wurde, hat man als die Folge von Zufälligkeiten angesehen; den inneren Beruf zur überseeischen Entwicklung hat man ihm nicht zuerkennen wollen. Vom rein ökono­mischen Standpunkt aus mag darin manches Richtige sein. Das Spanien des 15. Jahrhunderts zeigt wenig kaufmännische und maritime Initiative. Aber gerade der Aufschwung Spaniens scheint doch zu beweisen, daß der geschäftliche Unternehmungsgeist nicht das einzige, ja nicht einmal das wichtigste der Momente ist, die koloniale Machtentfaltung bedingen.

Die katholischen Könige Ferdinand und Isabella hatten die Gegensätze der Landschaften und der Ein­wohner, die auseinanderstrebende historische Richtung der Teile Spaniens, die Stärke der provinzialen Son­dergewalten bis zu einem gewissen Grade überwunden, und diese politische und geistige Einheit bedurfte nur großer Aufgaben, um sich zu befestigen und zu entfalten. Militärisch und landwirtschaftlich war der Grundcharakter der Reiche: ein stolzer, kriegslustiger Adel, arme Bauern, Gewerbfleiß nur in dem rührigeren Catalonien und im Süden bei den seidenwebenden Mauren, Handel und Schiffahrt in wenigen Hafenplätzen; Juden und Italiener, auch Franzosen machten Geldgeschäfte, vermittelten die Einfuhr fremder Waren, stellten Leute für Luxushand­werke, versuchten durch alles das diese schwere, steife,

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