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Kolonialgeschichte der Neuzeit : ein Abriss / von Veit Valentin
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Zehntes Kapitel.

Die deutsche Kolonisation.

»Die größten Kolonisationen, welche die Weltge­schichte seit den Zeiten der Römer gesehen hat, sind von den Deutschen vollzogen, und wir haben alle mög­lichen Formen der Kolonisation durchgemacht«, sagt Heinrich v. Treitschke in seiner Politik. Die späte Ge­staltung des deutschen Volkes zu einem geschlossenen Staate war die Ursache, daß es so spät die Kolonisation im Sinne politischer Machtbetätigung und politischer Ausdehnung begann. Und das mußte nun gerade dem Volke geschehen, dessen Beruf zur Kolonisation im Sinne wirtschaftlicher Erschließung und Ansiedelung in fremdem Land so unbestreitbar ist. Gerade seine besten Eigenschaften befähigen den Deutschen zur Kolo­nisation: seine nachhaltige Tüchtigkeit, die Geduld hat und sich nichts verdrießen läßt, sein Ernst, seine Schlicht­heit, seine Fähigkeit sich unterzuordnen und einzuord­nen, sein Sinn für den Wert des Kleinen und des Ein­zelnen, des Häuslichen und Eigenen kurz dieses ganze emsige, liebe und gründliche Wesen, das dem Fremden glanzlos und schwunglos erscheint, und das so oft zu demütig und kritisch gegen sich selbst, zu ängstlich und zu eng gewesen ist.

Man weiß, wieviel Hunderttausende von Deut­schen so im Laufe der Jahrzehnte ihre Fähigkeit zur Kolonisation betätigt haben, zum eigenen Nutzen und Wohlstand, ohne aber dadurch die Weltstel-

Valentin, Kolonialgeschichte.