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Kolonialgeschichte der Neuzeit : ein Abriss / von Veit Valentin
Entstehung
Seite
54
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Viertes Kapitel.

Die holländische Kolonisation.

Die Holländer haben der europäischen Kolonisation eine neue Richtung gegeben; ihr System machte Epoche. Und zwei Jahrhunderte hindurch behauptete es sich, zu Anfang wenigstens mit glänzendem Erfolg. Holland verdankt seiner kolonial- und handelspolitischen Origina­lität seinen Rang unter den europäischen Nationen. Diese waghalsige Seetüchtigkeit und diese kaufmännische nüch­terne Initiative entsprang mit dem Größten, was Hol­land besaß, dem Trieb zur nationalen Selbstbestimmung und dem Bewußtsein seiner Volkskraft. Nur diese empor­drängende Elementargewalt hat die abgesplitterten nieder­deutschen Stämme befähigt, eine Macht in der großen Welt zu werden.

Schon im 16. Jahrhundert waren ja die Niederlande der Hauptmarkt für Getreide, Material für Schiff­bau, gesalzene und getrocknete Fische, Spirituosen und Metalle. Amsterdam rüstete eine Flotte von 40 Schiffen aus, und die Heringsflotte, die dreimal im Jahr in See stach, zählte 700 Fahrzeuge. Was die Portu­giesen aus Indien brachten, nahmen die Niederländer in Vertrieb, als behende zahlungsfähige Zwischenhändler. Diese Arbeitsteilung war ihr Profit, und als Kaufleute wären sie wohl damit zufrieden gewesen. Nichts be­weist aber mehr, wie unzulänglich die ökonomischen Motive für die großen Völkergeschicke sind, als der Aufstieg dieser holländischen Händler. Süddeutsch-