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Kolonialgeschichte der Neuzeit : ein Abriss / von Veit Valentin
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168
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Siebentes Kapitel.

Die russische Kolonisation.

Das asiatische Rußland wird amtlich nicht als eine russische Kolonie, sondern als ein Teil des russischen Staates angesehen. In gewissem Sinn ist die russische Expansion in Asien auch mehr eine Ausbreitung als eine wirkliche Kolonisation. Es handelt sich hier nicht um eine Entfernung vom Mutterland, um eine Erfor­schung andersartiger Zonen, um Gründung von neuen politischen und kulturellen Gemeinschaften. Rußlands Kolonisation hat sich über Gebiete erstreckt, die ebenso bloß binnenländisch waren, wie Rußland selbst: es sind dieselben Steppen und Wälder, dieselben schroffen kli­matischen Gegensätze. Nur Grad- und nicht Artunter­schiede bestehen zwischen dem europäischen und dem asiatischen Rußland.

Niemals brauchte sich bei dieser mächtigen Aus­dehnung eine russische Armee von ihrer Operations­basis, von ihren Hilfsquellen zu trennen. Niemals brauchte ein Auswanderer zu empfinden, daß er sein Vaterland verließ. Es ist mehr eine Wanderung als eine Aus­wanderung eine langsame, wuchtige unaufhaltsame Wanderung nach Osten und nach Süden. Das nörd­liche Asien ist ein dünn bevölkertes und nur von Noma­den durchzogenes Gebiet gewesen. Auch das bedeutete einen ungeheuren Vorteil: kein harter Kampf um das Land war nötig, es gab Raum, grenzenlosen Raum, bereit für neue Völker. Es waren genug Elemente in