Vorwort.
Dieser Abriß der Kolonialgeschichte der Neuzeit ist ein Versuch, die Studierenden, die Lehrer und den weiteren Kreis der Geschichtsfreunde in ein Gebiet der neueren Historie einzuführen, das der Forschung wie der Bildung bei uns noch immer weniger nahe liegt. Ich habe diesen Versuch auf Anregung des Herrn Verlegers, Herrn Dr. Paul Siebeck, gewagt, und ich bin dieser Anregung um so lieber gefolgt, als ich durch die Zeitereignisse in meinen seit Jahren betriebenen Quellenstudien über die deutsche Revolution von 1848/49 gehemmt wurde, und mir die Probleme der neueren Kolonialgeschichte aus einer zuerst 1912 gehaltenen, dann im letzten Winter wiederholten Spezialvorlesung vertraut waren.
Ich hätte aber die Aufgabe einer knapp zusammenfassenden Darstellung nicht auf mich genommen, wenn ich nicht den vorliegenden Stoff unter einem neuen wissenschaftlichen Gesichtspunkt hätte gestalten können.
Die kolonialen Unternehmungen der europäischen Völker beschäftigen eine große Zahl von Einzel Wissenschaften: der Geograph, der Ethnologe, der Nationalökonom befassen sich mit den Problemen der Landesabgrenzung, der Bodengestaltung, der klimatischen Bedingungen, der anthropologischen Art und der sozialen Zustände der Eingeborenen, endlich der Besiedelungsund Wirtschaftsverhältnisse.
Was ist nun das Geschäft des politischen Histori-