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Kolonialgeschichte der Neuzeit : ein Abriss / von Veit Valentin
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Sechstes Kapitel.

Die englische Kolonisation.

Das mittelalterliche England stand abseits vom gro­ßen Geschehen des abendländischen Kulturkreises. Sein Ehrgeiz war, auf dem europäischen Kontinent eine Stel­lung zu erringen: es versuchte die reichen Provinzen von Nordfrankreich zu erobern. Man kann Englands Lage und Bestrebungen mit dem vergleichen, was in späterer Zeit Schweden gefühlt und gewollt hat. Auch Schweden mußte sich eine Großmachtsposition erringen durch Eroberung der Gebiete auf der anderen Seite des Meeres, das es beherrschen wollte. Das Zeitalter der Entdeckungen erst hat England in einen größeren Zu­sammenhang hineingebracht. Jetzt konnte es die Nach­teile seiner insularen und maritimen Stellung als Vor­teile in dem Wettbewerb auf dem Weltmeer und um das Neuland einsetzen.

Die Engländer haben später ihre Ansprüche auf Nordamerika begründet auf die Seefahrten, die der aus Ligurien gebürtige, lange in Venedig tätige Giovanni Gabotto (als Bürger von Bristol John Cabot) mit sei­nen drei Söhnen in englischen Diensten kraft eines Ent­deckungspatentes Heinrich VII. dorthin unternahm. An­siedelungsgedanken haben bei diesen Unternehmungen aber freilich noch gar keine Rolle gespielt. Gabotto und seine englischen Nachfolger haben zunächst keine ande­ren Beweggründe gehabt, als die Spanier, Portugiesen, Holländer und Franzosen: sie wollten in unentdeckten