Die Erschließung des Landes.
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dio in Steyl (Holland) ihr Mutterhaus und in Neuland bei Neisse sowie in Mödling bei Wien Filialen besitzt. Am 28. August 1892 hielten dio ersten Sendboten, zwei Priester und drei Laienbrüder, in Lome, wo damals nur ein einziger deutscher Beamter wohnte, die erste Messe. Sie übernahmen die Arbeit der französischen Katholiken und schlugen ihr Hauptquartier zunächst in Klein Popo, dann mit der Verlegung des Sitzes der deutschen Regierung in Lome auf.
Nach dem letzten allgemeinen Bericht über die Arbeit bestand 1905 das europäische Arbeitspersonal aus 25 Priestern, 10 Laienbrüdern und 15 Schwestern. Es werden 6 Hauptstationen in Lome, Porto Seguro und Aneho an der Küste sowie in Atakpame, Agonie Palimo und Kpando im Innern unterhalten. Die 61 Missionsschulen besuchten 2416 Kinder, darunter 298 Mädchen, ferner zählten 8 Internate 106 Zöglinge und eine Handwerkerschule 51 Lehrlinge. Die Zahl der Gemeindeglieder betrug 2697. Unter den verschiedenen schönen Bauten verdient dio am 21. September 1902 eingeweihte stattliche Herz-Jesu-Kirche in Lome besonders hervorgehoben zu werden.
LV. Die deutsche Scliutzlierrscliaft.
Das schnelle Wachstum der beiden mit einander wetteifernden Missionen sowie die erfreuliche Entfaltung des Handels wären nicht möglich gewesen ohne die deutsche S ch utz h err s cliaft, der es zu danken ist, daß die ewigen kriegerischen Verwicklungen der Stämme beendet und die unwegsamen Landschaften des Innern immer mehr erschlossen werden.
Die Veranlassung zur Besitzergreifung der Sklavenküste durch Deutschland lag in den Belästigungen, denen deutsche Firmen in Kl. Popo seitens der eingeborenen Häuptlinge ausgesetzt waren. Anträge an das Auswärtige Amt führten dazu, daß im Februar 1884 dio Korvette „Sophie“ in Kl. Popo Truppen landete und Kapitän Stubenrauch durch einen Vertrag Loben und Eigentum der Deutschen sicher stellte. Bald aber kam es zu neuen Verwicklungen, denen dadurch ein Ende gemacht wurde, daß der Reichskommissar Dr. Nachtigal mit der „Mövo“ an der Küste erschien und am 5. Juli 1884 in Begida und am 16. Juli in Porto-Seguro die deutsche Flagge hißte. In Kl. Popo war dies nicht möglich, da dort auch die Franzosen Ansprüche erhoben und zeitweilig festen Fuß faßten. Dem Eingreifen des Admirals Knorr auf der Korvette „Bismarck“ war es dann zu danken, daß im September 1885 die Küste von Lome bis Kl. Popo in einer Länge von ungefähr 52 km unter deutschen Schutz gestellt wurde. Der Sitz der Regierung war zuerst Bagida, daun Kl. Popo und seit 1894 Lome.
Die A u f r i c h t u n g der deutschen S c h u t z herrsc h a f t und die Feststellung der Grenzen des Togogebietes hat viel Zeit, nämlich nicht weniger als 20 Jahre, in Anspruch genommen, erfreulicher Weise aber wenig Kämpfe und Menschenleben erfordert. Im Hinterlande suchten Deutsche, Engländer und Franzosen sich gegenseitig den Rang abzulaufen, indem sie Expeditionen unternahmen, bei denen die geographische Er-