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Drittes Kapitel.
z. B. seine Häuptlinge, die ihm nicht zu Willen waren, töten, und nur ein einziger entkam dem Blutbad. Später ließ er seinen Untertanen Dornen in den Lehm werfen und zwang sie, denselben zu. treten. Dazu kam noch, daß die stark sich vermehrende Bevölkerung sich gegenseitig das Loben schwer machte. Diese Umstände führten schließlich zu einer Trennung, die aber nicht durch einen offenen Bruch, sondern durch List bewerkstelligt wurde. Die Frauen hatten Befehl erhalten, alles Wasser, das sie ausgießen, an die dicken Erdmauern der Stadt zu schütten, damit dieselben aufweichen und dann umgeworfen werden könnten. Im bestimmten Augenblick wurde die Mauer mit einem Dolch untergraben, dann hielt ein Häuptling den Dolch in die Höhe und betete: „Gott, öffne uns das Tor, damit wir hinausgehen können!“ Andere stemmten sich mit aller Macht gegen die Mauern und warfen sie um. Unter Vorantritt der Frauen und Kinder setzte sich der Zug in Bewegung; die Dogbonyigboev nahmen ihren Weg nach Süden an das Meer, während die andern in der Richtung nach Westen wanderten, wo sich die einen die Gebiete an den Bergen und in der Däyie bene, die andern aber den Nordrand der Ebene, Adaklu und die Voltagebiete, als Wohnsitze erwählten.
Die Küstenstämme hatten in der Folgezeit Kriege mit Daliome und Genyi, Ada und Agave, deren schließliche Folge die Errichtung des Forts in Keta durch die Dänen war. Die Inlandstämme dagegen mußten den Aki^amuem in ihren Sklavenkriegen Heerfolge leisten. Diese Stellung empfanden sie nach und nach aber als unerträgliche Last, die sie unter der Führung des Königs Kwadzo De von Peki in den Jahren 1828 bis 1833 in einem siegreichen Krieg abschüttelten. Die letzten Nachwirkungen jener alten Kriege bestanden im Asante krieg 1869—73, in dem die Anher an der Seite der Asantee r gegen ihre eigenen Stammesbrüder kämpften. Wenn auch jener Krieg für die Eibe er ungünstig ausfiel, so hatte er doch zur Folge, daß sie sich ihrer gemeinsamen Aufgaben bewußt wurden, die, wenn auch langsam, zu einer allmählichen Einigung führten. Den europäischen Regierungen aber war es Vorbehalten, die Ewe- stämme ganz zur Ruhe zu bringen und sie für die friedliche Entwicklung des Landes unter Mithilfe der Mission zu erziehen.
II. Die Kultur.
A. Die materielle Kultur.
Aus dem bisher schon Mitgeteilten ist zu ersehen, daß die Eibeer in Ackerbau, Viehzucht und Handwerk zwar eine gewisse Kulturhöhe erreicht haben, dann aber auf einem Punkte stehen geblieben sind. Die Hacke und der Webstuhl von heute sind noch ganz ebenso wie vor hundert Jahren.
1. Der Ackerbau.
Es ist ein entschiedener Vorzug des A/irevolkes, daß der Ackerbau überall in großem Ansehen steht. Als Beweis dafür darf nicht nur die saubere Bestellung der Felder, sondern auch die Tatsache angesehen werden,