Druckschrift 
Deutsche Vorposten im Karpathenland / von Lutz Korodi
Entstehung
Seite
100
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XII.

Das Land und seine Zukunft.

Rauschender Strom, brausender Wald, starrender Fels, mein Aufenthalt" . . . Das Schubertsche Lied in seiner schlichten Größe findet die entsprechende Szenerie dort droben auf den uferlosen Waldgebirgen der Karpathen, in der großen Stille der Tal­schluchten drunten, wo die Donau in heroischem Ungestüm den Ge- birgswall durchbricht. Wer hier stundenlang mit der Natur allein gewesen ist, fürchtet als ihr Freund nichts so sehr, als daß dies Land, obwohl seine Schönheiten auf eine ungleich größere Fläche verstreut sind als etwa in der Schweiz, eines Tages auch der Fremdenkultur" anheimfallen könnte, wenn einmal das nach Kilo- metern reisende sommerliche Nomadentum alle Modegegenden Europas abgegrast hat. Und wer zugleich ein Freund des Volkes ist, dem wir hier näher getreten sind, befindet sich in einem eigen­tümlichen Konflikt. Denn er muß wieder wünschen, daß der Zug nach diesem Gsten wenigstens unter den Deutschen immer stärker werde. Ein Trost bleibt ihm unter allen Um­ständen: die Zahl derer, die es gelüstet, ein Land zu besuchen, um auch die Eigenart seiner Bewohner zu studieren, ist nie über­mäßig groß gewesen, besonders wenn die Bewohner, auf die es hier ankommt, nur den Vorzug genießen, Deutsche zu sein. Aber die wenigen, die für solche Reize des Landes und der Leute empfänglich sind, möchte ich allerdings alle samt und sonders hin­schicken, damit sie mit eigenen Augen sehen, was die Natur hier als Kunstwerk geleistet, was sie als nährende Mutter zu leisten vermag, wie der Mensch sich hier eingelebt hat und ob es sich gar lohnte, daß andere den versuch auch wagten, in dem Boden Wurzel zu fassen.