VIII.
Der ungarische Rulturkampf.
Die ungarischen Könige, die nach Siebenbürgen Deutsche beriefen und mit weitgehenden Vorrechten ausstatteten, wußten wohl, warum sie das taten. Sie wollten nicht nur „zum Schutze der Krone" (uä retinenciLm cororiurn, wie es im „Goldenen Freibrief" hieß) schlechtweg Menschenmaterial im Lande ansiedeln, daß dies ein sicherer Besitz bleibe und die Horden der petschenegen und andrer die Südostmark des Reiches umlauernder Räubervölker abgewehrt würden. Wohl haben sich die Sachsen auch in dieser Hinsicht bewährt und sich allzeit auch als zuverlässige Stützen gegen innere Feinde des Herrscherhauses erwiesen. Das Martyrium der Sachsen im Dienste der Dynastie hat in den Mongolen- und Türkenstürmen unermeßliche Opfer gefordert, und ebenso mußten sie bluten für die Befestigung der Habsburgischen Herrschaft im Ungarland, osür sie aus der einen Seite Haß und Verfolgung, von der andern Seite nicht immer Dank und noch weniger Unterstützung ernteten. Diese Ansiedler wurden aber nicht als ein Heer von Landsknechten zu bezahlter Grenzwacht gedungen, sondern es lag den Fürsten magyarischen Stammes im zwölften und dreizehnten Jahrhundert gerade an der Einbürgerung des Deutschtums in Siebenbürgen wie in den übrigen Teilen Ungarns. Man wollte die ihrer Volksart eigentümliche Bildung und Gesittung im Lande heimisch machen. Die Habsburger, die dann hauptsächlich im achtzehnten Jahrhundert die Kolonisierung nunmehr in den durch die Türkenkriege entvölkerten und verwüsteten Landstrichen Südungarns fort-