Schule und Airche in Siebenbürgen
Der ganze unblutige, aber darum nicht minder erbitterte völkerkamxf in Ungarn ist in der Hauptsache ein Rampf um die Existenz der schule. Er schlägt tiefere Wunden als das Schwert von Stahl und entfremdet die Menschen, die durch den Gang der Geschichte zu einer harmonischen Arbeitsgemeinschaft verbunden wären, nachhaltiger als die Furie des Bürgerkrieges; denn wer einem Volk die Schule raubt, indem er sie auf ein niedrigeres Niveau herabdrückt, sucht Rinder und Rindeskinder geistig zu töten oder in schmachvollen Ianitscharendienst zu zwingen.
Auch wenn der Nichtmagyare für die Erweiterung seiner politischen Rechte sich einsetzt, gilt dieses Ringen mittelbar der Erhaltung oder Wiedererweckung der Schule, weil die gesetzgebende Körperschaft Ungarns in ihren magyarisatorischen Angriffen zuletzt immer wieder auf die Schule zielt, wo man den Lebensnerv der Gegner zu treffen hofft. Finden aber die Nicht- magyaren im Parlament eine ihrer Volkszahl angemessene Vertretung, so kann die Freiheit der Schule hier am besten geschützt werden.
Die geschichtliche Entwickelung hat es mit sich gebracht, daß die Siebenbürger Sachsen das feinstoerzweigte Schulwesen im Lande besitzen. Die Ansiedler, die im zwölften Jahrhundert vom ungarischen Rönig Geisa II. in die „Öde" („ckeserturn") des siebenbürgischen Waldlandes, der einstigen römischen Provinz Dazien, gerufen wurden, erhielten weitgehende Privilegien; ihren vollendetsten Ausdruck fanden diese im „Goldenen Freibrief", der Korodt, Deutsche Vorposten im Karpathenland. 3