XI.
Literarisches. — Deutsche Staininesart.
Zaghaft tritt der Chronist an seine Ausgabe heran, wenn er das Thema „sächsische Literatur" im allgemeineren Sinn des Worts behandeln soll. Denn er ist sich dessen voll bewußt, daß alles, was aus diesem Feld in Siebenbürgen geschaffen wurde, nur für die Bedürfnisse eines engern Kreises zugeschnitten ist, auch nicht den Anspruch erhebt, als ein Gleichwertiges eingereiht zu werden unter die Werke derer, die von dem vollen Strom geistigen Lebens einer Nation getragen werden und so auch aus dem Vollen schöpfen können. Nichtiges Verständnis für den relativen künstlerischen Wert dessen, was sächsische Schriftsteller aus schöngeistigem Gebiet ihrem Volk geboten haben, wird auch nur der ausbringen können, der Land und Leute aus eigener Anschauung schon kennt. Dann wird er an diese Erzeugnisse auch nicht den schonungslosen Maßstab legen, wie manche sächsische Kritiker selbst, die der Reputation ihres Volkes einen Dienst zu erweisen glauben, wenn sie bei Ausübung ihres Richteramtes für literarische Verfehlungen oder Mißgriffe oder auch nur Halbheiten dieselbe Schärfe des Urteils anwenden, als ob sie vom Tribunal der deutschen Ge- samtliteratur Recht sprächen. Das ist unbillig, wenn auch das Streben nach unbestechlicher Selbstkritik anzuerkennen ist und sicherlich manchen seichten Dilettantismus im Keime erstickt, der da meint, es könne unter der Flagge der guten nationalen Absicht literarisch ungestraft gesündigt werden.
Zn dieser schwierigen Situation wollen wir uns im folgenden nach Möglichkeit darauf beschränken, die Gebiete zu nennen, aus denen sich sächsisches Literatentum mit mehr oder weniger Erfolg betätigte, und im Anschluß daran die bekanntesten Namen, weitere