IX.
Ofenxest.
viele Leser werden sich an dem Wort stoßen, das an der Spitze dieses Abschnittes steht, vielleicht auch mancher gute Deutsche, der sonst nicht gewohnt ist, auch nur ein Titelchen deutschen Rechts, nur eines Fingers Breite deutschen Besitzes auszugeben. Sogar unter den Siebenbürger Sachsen, die ja Verständnis haben für den Trust der Ortsnamenfrage, sind die Ansichten geteilt über die Berechtigung der Bezeichnung „Gfenpest". wer unter ihnen sie ablehnt, meint, damit der politischen Gerechtigkeit genug- tun zu müssen. Ofen (magyarisch Buda) und Pest, so wird übertrieben gewissenhaft — und dabei doch nicht streng logisch — argumentiert, waren bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zwei gesonderte Städte und sind dann auf gesetzlichem Wege zu einem Gemeinwesen mit dem Namen „Budapest" vereinigt worden. Dagegen ist zunächst einzuwenden: wollte man diesem neu geschaffenen „gesetzlichen" Zustand ganz gerecht werden, so müßte der magyarische Name auch magyarisch ausgesprochen werden : „Budapäscht"; einen Ortsnamen mit der Aussprache „Budapest" gibt es nicht. Ausschlaggebend aber für die allein beweiskräftige historische Auffassung ist der Umstand, daß Ofen der deutsche Name einer deutschen Siedlung ist, die bis zum heutigen Tag zum großen Teil aus Deutschen besteht.*) Und die politischen
*) Über das Deutschtum der ungarischen Städtegründungen vgl. F. G. Schultheiß, „Deutschtum und Magyarisierung in Ungarn und Siebenbürgen". München, I. F. Lehmann, 1897. Der Verfasser, jetzt Bibliothekar an der Raiser-lvilhelms-Bibliothek in Posen, ist meines Wissens der genaueste reichsdeutsche Renner der deutschen Frage in Ungarn. Er hat das auch neuerdings bewiesen in seiner Abhandlung über .Die