Statistische Unarten.
Mas an deutschem Volksbestand im gesamten Königreich Ungarn gerettet werden kann, läßt sich, wenn man die Volkszählungstabellen zur Hand nimmt, leicht in Zahlen ausdrücken, — und doch wieder nicht so leicht, denn die amtliche Statistik gibt ein falsches Bild; in Wahrheit ist die Zahl der Deutschen weit höher, als aus diesem Wege ermittelt wird. Von genauen Kennern verstreuter deutscher Enklaven in Ungarn weiß ich es, daß ganze Ortschaften, die aus Deutschen bestehen, bei der Volkszählung dem Deutschtum verloren gingen, weil sie sich dem Zähl- kommissar gegenüber als „Ungarn" bekannten, und führende magyarische Blätter haben es mit entsprechender Rührung registriert, wie viele Staatsbürger als ihre Muttersprache die magyarische angegeben haben, die „in Wirklichkeit magyarisch nicht einmal lallen konnten" („Budapesti Hirlap"), während es bei verschiedenen Staatsbeamten nichtmagyarischer Zunge öffentlich als Verwegenheit gebrandmarkt wurde, daß sie — wahrheitsgemäß — etwa die serbische Sprache als ihre Muttersprache bezeichneten.
Der Mißbrauch, der mit dem Wort „Ungarn" getrieben wird, verdient recht genaue Beachtung und Würdigung. Die Sache ist, so geringfügig sie dem Unbeteiligten auf den ersten flüchtigen Blick erscheinen mag, ein Kardinalpunkt der ganzen ungarischen Nationalitätenfrage, vor allem der deutschen Frage in Ungarn. Es ist dort nämlich ein sehr beliebter Trick der patriotischen Pädagogen amtlicher oder gesellschaftlicher Art, den Leuten einzureden, sie seien doch „Ungarn", da sie in Ungarn lebten; der Begriff wird absichtlich verschwommen gefaßt. Das