Volkswirtschaftliches.
Die dominierende Stellung der deutschen Schule in Siebenbürgen findet vielleicht ihren beredtesten Ausdruck, wenn inKron- stadt am Schluß des Schuljahres draußen auf tannenumsäumter Waldwiese das Honterusfest gefeiert wird. Die sächsischen Schulen der Stadt pilgern früh morgens in langem Zuge hinaus zu Spiel und jugendlicher Lustbarkeit jeglicher Art; aber aller Zubel, der uns hier umfängt, wird vergeistigt durch den Gedanken, daß dies für die siebenbürgische Reformationsstadt der Tag des protestantischen Deutschtums ist. Gegen Mittag macht sich die Stadt selbst auf die Wanderung. In den Straßen wird es öde, das Geschäftsleben verstummt, auch die Nichtdeutschen feiern, mit und ohne Willen. Die sächsischen vereine ziehen mit ihren Bannern auf, die deutschen Turner und Sänger, der Gewerbestand, die Kaufmannschaft, alles was deutsch ist, bringt dem Reformator der Schule und Kirche, dem Schöpfer deutscher Renaissance in Siebenbürgen, Johannes Honterus, seine Huldigung dar. Bei aller Einfachheit der Formen, in denen sich dies Fest bewegt, ist es ein Sinnbild des deutschen Gedankens, dessen friedlicher Gewalt sich die Völker des Landes nicht entziehen können.
Und es geschieht nicht zu ihrem Schaden. Der siebenbürgische Rumäne, der in deutscher Nachbarschaft lebt, steht unverkennbar auf einer höheren Stufe der Lebensanschauung als sein Volksgenosse im national organisierten Königreich jenseits der Berge und fühlt sich auch als etwas Besseres. Und auf den Magyaren wirkt das deutsche Beispiel auch aneifernd; das geht so weit, daß der Sachse auf manchen Gebieten, wo er sich früher eines gewissen Privilegiums bürgerlicher Arbeit erfreute, jetzt im freien Spiel neuerwachter Kräfte oft Mühe hat, die bevorzugte Stellung zu behaupten. Der sächsische Gewerbsmann, der einst im sicheren