Ueberraschungen
Ge^en Ende 1910 begannen im Norden Mexikos bewaffnete Banden aufzntanehen. von denen man anfänglich nicht mehr erfuhr, als daß sie allgemeinen revolutionären Umtrieben dienten, und mit denen die Regierung um so leichter fertig zu werden hoffte, als sie herzlich schlecht organisirt waren und es ihnen allem Anscheine nach an einer straffen, einheitlichen Leitung fehlte. Ich erinnere mich, daß im Februar 1911 zum ersten Male der Name Madero’s als des Revolutionschefs in der mexikanischen Presse erwähnt wurde. Ebenso wie die Regierung waren übrigens auch'das Gros der Bevölkerung und vor allem die an sich unbeteiligten Fremden der festen Ueberzeugung, daß die „Revolution“ nicht ernst zu nehmen sei, und daß, selbst wenn sie es wäre, einem Dia z ihre Niederwerfung mit Leichtigkeit gelingen werde. Rein Mensch regte sich sonderlich darüber auf und die Geschäfte nahmen allenthalben ungestört ihren Fortgang. Beschränkte sich doch die angebliche Revolution Wochen und Monate lang auf ziemlich harmlose Schießereien an den Ufern des Rio Bravo, also hart an der Grenze der Vereinigten Staaten, und begann nachgerade, da sich schließlich Scharen schaulustiger amerikanischer Touristen am andern Ufer einfanden, um den meist vorher zeitig genug angekündigten „blutigen Gefechten“ beizuwohnen, dem Odium der Lächerlichkeit au- heimzufallen.
Anfangs März hörte man von den ersten, wenn auch unwesentlichen militärischen Erfolgen der Rebellen; es rührte sich an verschiedenen Punkten, besonders auf der Halbinsel Yucatan, ohne daß es übrigens der Regierung große Mühe kostete, überall (mit Ausnahme des Nordens) des Aufstandes Herr zu werden. Damals tauchte auch endlich der Generalissimus der Aufständigen, E r a n - ciscol. Madero, auf dem Schauplatz der Unruhen auf, nachdem er länger als vier Monate todesmutig von San Auto n i o aus seine Söldlinge hatte kämpfen lassen. In Parenthese sei bemerkt, daß der Mann, der die Früchte all der Kämpfe und Opfer seiner Landsleute und des geschäftlichen Risikos seiner stillen Teilhaber als Staatsoberhaupt ernten sollte, militärisch absolut unerfahren war und auch an keinem bedeutenderen Gefecht teilnahm, so daß man sich in der Stadt Mexiko baß verwunderte, ihn eines Tages auf Photographien als „Blessirten“ mit einem Arm in der Binde zu sehen. Aber das gehörte zweifellos mit zu der Rolle, die er in der Revolutionskomödie übernommen hatte. . .
Ende März überraschte die mexikanische Regierung alle Welt mit einem Akt, der, obwohl er ihr keineswegs von Ma d er o abgezwungen, sondern allem Anschein nach großmütig von ihr bcschlos-