XII. KAPITEL.
Wirth schaft Ii che Aussichten.
Wenn man die Ansichten verfolgt, die bisher über den wirtschaftlichen Werth des Kilimandscharo laut geworden sind, wird man die Erfahrung machen, dass eine mit den Jahren ständig wachsende Ernüchterung Platz gegriffen hat. Die ersten Besucher des Berges, Claus v. d. Decken, Thomson und Johns ton, finden nicht Worte genug, seine Fruchtbarkeit und Besiedlungsfähigkeit zu preisen, und ihnen schliesst sich Peters an, indem er das auf sein Betreiben für Deutschland erworbene Gebiet des Schneedoms als die Perle und den Stolz unseres ostafrikanischen Besitzes bezeichnet. »Wohl werden noch Jahrzehnte vergehen«, sagt er,*) »bevor seine eigenartige Schönheit weiteren Kreisen zugänglich werden wird. Erst muss die Eisenbahnschiene ihn mit der Küste verbunden haben, erreichbar in sechs- bis siebenstündiger Fahrt. Erst dann auch werden wir ernstlich dem Plan einer deutschen Besiedelung des Berges näher treten können. Wenn aber einstmals deutsche Bewohner in grösserer Anzahl um ihn wohnen, dann wird er die mächtige Felsenburg der deutschen Herrschaft für die umliegenden Steppenländer sein, und von ihm aus wird der belebende Unternehmungsgeist der indo-germanischen Rasse befruchtend und anregend auch die Nachbargebiete mehr und mehr durchdringen. So wird der Kilimandscharo in der That zu einem der wesentlichsten Ausgangspunkte für die wirthschaftliche Einverleibung Ostafrikas in den Weltverkehr werden.« Als kulturfähiges Gebiet hält Peters den ganzen Berggürtel von 900 bis 3900 Meter Höhe und berechnet daraus ein Areal von 2400 Quadratkilometern oder 43 Ouadratmeilen, welches europäischer Schaffenskraft offen stehe. Auf die in Hand ei bei 950 Meter belegenen Plantagen von Derema und Nguelo verweisend, meint er,
*) Das Deutsch-Ostafrikanische Schutzgebiet, p. 133.