IX. KAPITEL.
Die Wadschagga.
Die Bewohner des Kilimandscharo, die zur Zeit den südlichen, westlichen und östlichen Abfall des Berges zwischen rund 1250 und 1700 bezw. 1900 Meter Meereshöhe besiedeln, werden ganz allgemein in ihrer Gesammtheit von Europäern wie der schwarzen Küstenbevölkerung als Wadschagga bezeichnet. Es ist aber als gewiss anzunehmen, dass sie kein einheitliches Volk darstellen, dass sie erst allmählich sich aus Zuzüglern verschiedener Herkunft und verschiedener Zeiten zu einem Verband zusammengeschlossen haben, der trotz vieler im Einzelnen vorhandener Abweichungen doch den Eindruck gemeinsamer Abstammung macht. W enn man bei den Häuptlingen der zahlreichen Landschaften Erkundigungen über ihre Vorfahren einzieht, erhält man meist eine mit grosser Sicherheit abgegebene namentliche Aufzählung der Herrscher ihres Gebietes bis zur siebenten oder auch neunten Generation zurück. Sie sind auch genau über deren Verwandtschaftsverhältnisse orientirt, wissen, ob der Nachfolger der Sohn, Bruder oder Neffe seines Vorgängers war, auch eine Wittwe oder Tochter scheint nach ihnen gelegentlich die Zügel der Regierung ergriffen zu haben. Fragt man dann weiter, wo kam der als letzter in der Ahnenreihe Genannte her, so lautet die Antwort verschieden. Entweder heisst es mit aller Bestimmtheit: aus der und der Landschaft am Kilimandscharo selbst, aus Ukamba, aus Teita, aus Usambara, aus Masailand oder aber einfach: er fiel vom Himmel. Um ein Beispiel zu geben, wie verwickelt die Beziehungen sind, führe ich nach Erkundigungen des Kompagnieführers Johannes für die östlichen Landschaften Folgendes an. Die Bewohner von Gasseni (Kimangelia) behaupten, Wakuafi aus der Gegend von Matumbato zu sein, die Useri-Leute wollen aus Ukamba stammen und sich mit Wakuafi vermischt haben, ihre Herrscher-