II. KAPITEL.
Die wissenschaftliche Station.
Unsere Hoffnung, nunmehr am Orte der Bestimmung angelangt, uns ungesäumt unseren wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aufgaben hingeben zu können, erfuhr schon am Tage der Ankunft in Marangu eine herbe Enttäuschung. Um das zu verstehen, sei mit ein paar Worten auf vorhergeschehene Dinge zurückgegriffen. Nach der Besitzergreifung des Kilimandscharo hatte die deutsche Macht ihren Sitz in Moschi aufgeschlagen. Das war ganz von'selbst gekommen, denn nur mit Hülfe Man - dara's, des allgewaltigen, reich mit Feuerwaffen versehenen Häuptlings dieser Landschaft, konnte der damalige Befehlshaber der deutschen Schutztruppe daran denken, einen Einfluss am Berge zu gewinnen, beziehungsweise sich überhaupt dort zu halten. An dieser Sachlage wurde auch nichts geändert, im Gegentheil, sie wurde verschärft, das Gebot, im Lande Manda ra's zu bleiben, wurde dringender, als der nächstmächtige Häuptling Sina von Kiboscho durch den erfolgreichen Zug v. Wiffmann's geschlagen und für lange Zeit geschwächt am Boden lag. Da wird Dr. Carl Peters zum Reichskommissar für das Kilimandscharo-Gebiet ernannt. Sein erstes ist, im August 1891, Moschi zu verlassen und in Marangu beim Häuptling Mareale eine Station zu erbauen. Die Gründe, die er dafür angiebt,*) sind nur dann stichhaltig, wenn es politisch gleichgültig gewesen wäre, in wessen Landschaft man sich festsetzte. Anfang Februar 1892 verlässt Dr. Peters den Berg, um in die deutsch-englische Grenzregulirungs-Kommission einzutreten. Sein Nachfolger wird Freiherr von Bülow, dem Lieutenant Wolfrum beigegeben ist. In einer Zeit, wo letzterer allein auf der Station weilt, im Mai 1892, geschieht es, dass eine Abtheilung von drei Sudan- Askaris nach Moschi entsandt wird. Auf dem Wege dahin, in Kirua,
*) Deutsches Kolonialblatt 1S91. II. Jahrg. p. 456.
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