I. KAPITEL.
Von Tanga zum Kilimandscharo.
Am 5. März 1893 waren wir endlich so weit, unseren im Hofe der Boma zu Tanga versammelten 110 Trägern und deren 3 Aufsehern zurufen zu können: »Morgen beginnt die Reise! Verschnürt die Lasten!« Beständig »Kilimandscharo« bald schreiend, bald singend, stürzte sich die zerlumpte, aus Angehörigen der verschiedensten Küstenbezirke zusammengesuchte Schaar auf die in Reih' und Glied bereit liegenden Kisten und Kasten. Jedes Sinn strebte danach, ein möglichst kleines Gepäckstück zu erhaschen, denn im ersten Ansturm verbanden sich im Kopf der Leute »klein« und »leicht« zu einem Begriff. Eine Enttäuschung, die in drastischer und komischer Weise zugleich auf den Gesichtern zum Ausdrück kam. konnte nicht ausbleiben. Wie die glücklichen Eroberer einer »kleinen Last sich anschickten, dieselbe nun auch aufzuheben und fortzutragen, erfuhren die meisten zu ihrem Schaden, dass sie eine besonders schwere erwischt hatten, enthielt dieselbe doch Draht, Munition, Eisentheile oder dergleichen mehr.
Nach einer Stunde wüsten Lärmens, Sichzankens und Wiedervertragens war die Vertheilung erledigt, und jeder ging daran, seine Last, die er während der ganzen Reise zu tragen hatte, nach Negerart zu verschnüren, d. h. sie mit Cocosstricken in ungezählten, sich ohne jede Ordnung verknüpfenden Umwindungen gleichsam einzuspinnen. Dann trat Ruhe ein, alle eilten in die Stadt, um den Rest des erhaltenen Vorschusses an den Mann oder häufiger wohl noch an die Frau zu bringen.
Am anderen Morgen ertönte um 9 Uhr das Kommando: »Haya safari! Die Lasten auf!« Ein dreimaliges Geschrei, bei dem sich sämmtliche Hände gen Himmel streckten, erklang im kräftigsten Gegenlaut, dann erhoben sich die Lasten auf die Köpfe, der Fahnenträger entrollte sein schwarz-weiss-rothes Banner und hinaus ging es zum Thore in langer,
Volkens, Kilimandscharo. \