Druckschrift 
Der Kilimandscharo : Darstellung der allgemeineren Ergebnisse eines fünfzehnmonatigen Aufenthalts im Dschaggalande ; mit 11 Vollbildern, 28 Textbildern und 1 Karte / von Georg Volkens
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

IV. KAPITEL.

Zum Mawenzi.

Monatelang weilte ich am Berge jetzt, hatte seine schneebedeckten Gipfel, den sargähnlichen Kibo und spitzzackigen Mawenzi oft genüg aus ihrem Wolkenmantel hervortauchen sehen, aber die Sehnsucht, ihnen näher zu rücken, die Geheimnisse zu schauen, die sich auf der anderen Seite, jenseits des die Gipfel verbindenden Sattels verbargen, musste un­gestillt bleiben. Noch war Meli, der übermüthige Häuptling von Moschi, in der Fülle seiner Macht. Ungehindert hielten seine Leute auf dem so­genannten oberen Verbindungswege, einem Pfade, der in der ungefähren Höhe von 2800 Meter um die allein bewohnte Südhälfte des Kilima­ndscharo herumführt, ihren gewohnten Verkehr mit den Insassen der im äussersten Osten gelegenen Landschaft Useri aufrecht. Jetzt von Ma- rangu, meinem Aufenthaltsorte, her den Berg besteigen zu wollen, hiess sich der Gefahr aussetzen, wenn nicht getödtet zu werden, so doch den feind­lichen Wa moschi als Geisel in die Hand zu fallen. Schon gingen allerlei dunkle Gerüchte. Ungezählt viele Soldaten, geführt von Wazungu, weissen Männern, seien von der Küste her im Anzüge, um das traurige Ende von Bülows und Wolfrums zu rächen. Wie angenehm wäre es da dem schlauen Meli gewesen, wenn er sich für alle Fälle aus einem oder mehreren gefangenen Deutschen eine Bürgschaft für sein Leben hätte schaffen können.

Die Gerüchte nehmen festere Gestalt an. Grosse, von Tanga und Pangani kommende Karawanen, bis zu lOOO Trägern stark, häuften in der Militärstation Marangu Proviant und Munition zu ganzen Bergen. Am 2. August verkündeten 12 Kanonenschüsse, dass der Gouverneur, Oberst v. Scheie, an der Spitze des Expeditionskorps angelangt sei. Zehn Tage später fiel der Schlag, der Meli zu Boden schmetterte und damit den Berg in seiner ganzen Ausdehnung wieder in deutsche Gewalt