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Der Kilimandscharo : Darstellung der allgemeineren Ergebnisse eines fünfzehnmonatigen Aufenthalts im Dschaggalande ; mit 11 Vollbildern, 28 Textbildern und 1 Karte / von Georg Volkens
Entstehung
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V. KAPITEL.

Nach Moschi.

Nachdem ich die östlichen Dschagga-Staaten bis hin nach Rombo kennen gelernt, war es naturgemäss mein Wunsch, nun auch den west­lichen einen Besuch abzustatten. Leider sollten Monate vergehen, bevor an eine Erfüllung dieses Wunsches zu denken war. Erst musste nach der Besiegung Meli's die feindliche Stimmung seiner Unterthanen und An­hänger sich soweit beruhigt haben, dass man auch ohne Mitnahme einer bewaffneten Macht sich frei nach allen Seiten bewegen durfte. So kam Mitte Dezember heran, als ich endlich mit 12 Trägern gen Westen aufbrach.

Von der wissenschaftlichen Station geht es den breiten, schnurgeraden Weg hinab zur Borna, dem etwa 120 Meter tiefer gelegenen Marangu- Fort. Vor mehr als einem halben Jahre hatte ich zwei Monate hier als Gast geweilt, und wenn auch der Chef und seine Offiziere, ihre eigene Bequemlichkeit opfernd, alles nur Mögliche gethan, um mir und meinen Gefährten den Aufenthalt zu einem angenehmen zu gestalten, so hatte ich doch nie den Eindruck loswerden können, mich in einem abscheulichen Gefängniss zu befinden.

Jetzt ist Alles anders, besser geworden. Da der grösste Theil der Besatzung nach Moschi übergesiedelt ist, haben mit dem Niederlegen einer Reihe von Häusern nicht nur Licht und Luft mehr Zugang gewonnen, es herrscht auch statt des früheren sinnverwirrenden Getriebes die beschau­liche Stille einer Residenz »zweiter Güte«. Auf der Bank vor dem Wacht- lokal am Eingang hockt ein schwarzer Kerl und entlockt einem primitiven Saiteninstrument leise surrende Töne. Auf meine Frage, ob der Bana mkuba zu Hause sei, hält er es für überflüssig, sein doch so schön breites Mundwerk zu öffnen, sondern schüttelt nur schweigend das Wollhaupt. Da will auch mir ein längeres Verweilen überflüssig erscheinen, überflüssig wie das ganze Marangu-Fort und ich ziehe mit meinen Leuten weiter gen Kilema.