Druckschrift 
Der Kilimandscharo : Darstellung der allgemeineren Ergebnisse eines fünfzehnmonatigen Aufenthalts im Dschaggalande ; mit 11 Vollbildern, 28 Textbildern und 1 Karte / von Georg Volkens
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

VII. KAPITEL.

Vom Kibo nach Useri.

Wenn man von Kiboscho aus den Blick empor zum Berge lenkt, hat man den Eindruck, als ob hier der Aufstieg bis zur Schneegrenze keine erheblichen Schwierigkeiten bieten könnte. Zwar bricht die Zone des Gürtel­waldes zum Vorland ziemlich jäh ab, [aber dann, darüber hinaus, senken sich von den Gletschern des Kibo-Gipfels zwei Grate im Bogen hinunter, auf denen es möglich scheint, ganz allmählich höher zu klimmen. Kom­pagnieführer Johannes und ich, die wir am Spätnachmittag des 30. De- cember die von der sinkenden Sonne mit Licht übergossenen oberen Re­gionen prüfend überschauten, einigten uns denn auch dahin, dass wir für die morgen anzutretende Expedition aufwärts den linken, auf Meyer's Karte als Südost-Kamm bezeichneten Grat wählen wollten. Der Vor­mittag des nächsten Tages, des letzten im Jahre 1893, wird damit verbracht, aus unserer grossen Karawane eine Elitetruppe als Begleitmannschaft aus­zulesen, die anderen werden mit allen überflüssigen Lasten nach Moschi resp. Marangu zurückgeschickt. Um 2 Uhr brechen wir auf. Mit uns sind ausser 3 Sudan-Askaris, die sich freiwillig zur Theilnahme an dem Wagniss erboten haben, 18 Suaheli-Träger, 1 Koch, 3 Jungen und 12 Wa- dschagga, denen es obliegt, theils als Führer zu dienen, theils eine kleine Ziegenheerde bis zur oberen Graszone zu treiben. Wir verfolgen den Weg, den wir acht Tage zuvor schon einmal zwecks eines Besuches der katholischen Mission eingeschlagen, behalten aber, in der Nähe derselben angekommen, die nordöstliche Richtung bei und wandern fast immer in Bananenschamben empor. Nachdem die ziemlich tiefe Schlucht des Mso überwunden ist, kriechen wir durch ein Thor, um dann aufs Neue eine Reihe von mehr oder minder steil sich herabsenkenden Einschnitten zu passiren. Es sind alles Zuflüsse des Garanga, die in diesen sich abwärts bewegen, der Lambanga, der Mtenge und der Kerongo. Oberhalb des letzteren