XL KAPITEL.
Die Thierwelt.
Obgleich kein Zoologe von Fach, habe ich doch auch der Thierwelt des Kilimandscharo meine Aufmerksamkeit geschenkt. Trotzdem würde ich es kaum wagen, hier ein zusammenfassendes Bild der Fauna zu geben, wenn nicht durch die Sammlungen Johnston's, Fischer's, Abbot's und Anderer genügendes Material beigebracht wäre, und wenn dieses Material, soweit es die Säugethiere, Vögel, Kriechthiere und Weichthiere betrifft, nicht bereits durch Matschie, Reichenow, Tornier und v. Martens eine kritische Zusammenstellung gefunden hätte. Auf deren Arbeiten gründen sich im Wesentlichen die folgenden Ausführungen.
1. Säugethiere.
Wenn man den Behörden des Kilimandscharo einst ein eigenes W T appen zu führen gestattete, so müsste darin der Weissschwanz-Seiden- affe (Colobus caudatus) prangen, so sehr ist er für das Gebiet charakteristisch. Sein prächtig schwarz-weisses, langhaariges Fell, der buschige Schwanz, der beim Springen von Ast zu Ast wie eine Fahne hinten- nachflattert, machen ihn zu einer ebenso eigenartigen wie auffallenden Erscheinung. Ich traf ihn wiederholt im Gürtelwalde zwischen 1800 und 2600 Metern, stets zu kleinen Gesellschaften von vier bis zwölf Stück- vereint, nie am Boden, sondern immer in den Wipfeln der höheren Bäume. In der Ruhe und sich unbeobachtet wähnend, geben sie ein Summen von sich, das man beinahe ein Singen nennen könnte, aufgeschreckt stossen die alten Männchen erst ein Knurren, dann ein langgezogenes, unwillig klingendes Oa aus und veranlassen dadurch den Trupp zur Flucht. Bald rasten sie indessen wieder, und wenn man jetzt die Thiere in der Blätterfülle verborgen und starken Zweigen angeschmiegt
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