III. KAPITEL.
Zum Dschalla-See.
Im Frühjahr 1893 tauchte in Marangu das Gerücht auf, ein Deutscher wolle mit 30 bis 50 Bauernfamilien zum Kilimandscharo kommen und in einer der im Osten gelegenen Rombo-Landschaften eine Ansiedelung begründen. Alle, die mit den Verhältnissen auch nur einigermaassen vertraut waren, konnten hierzu nur den Kopf schütteln. Man Hess es indessen dabei bewenden, da man glaubte, eins der vielen Projekte vor sich zu haben, die müssige Köpfe bald hier, bald da an der Küste heute aushecken, um sie morgen bei der ersten sich einstellenden Schwierigkeit wieder fallen zu lassen. Um so grösser war die Ueberraschung, als Ende Mai über die Besiedelungsfähigkeit Rombos amtlich Bericht eingefordert wurde. Man erfuhr jetzt, dass ein ehemaliger Gastwirth aus Zanzibar drauf und dran sei, den geplanten Burentrek in Scene zu setzen. Schon im Oktober, nachdem jeder Theilnehmer IOOO Mark eingezahlt, sollte die Ausreise von Tanga vor sich gehen. — Obwohl nun Kompagnieführer Johannes keinen Moment im Zweifel war, dass von dem Unternehmen dringend abzurathen sei, entschloss er sich doch, die bezeichnete Landschaft vor Abgang seines Berichtes selber in Augenschein zu nehmen. Der Aufforderung, ihn dahin zu begleiten, entsprach ich mit Freuden.
Am 11. Juni, als verschiedene Anzeichen auf eine kleine Unterbrechung der schon seit Mitte März herrschenden Regenzeit hindeuteten, setzte sich unser Expeditionskorps in Bewegung. 30 Soldaten und eben- soviele Träger bildeten seinen Kern, einige Dutzend Dschagga-Krieger r die Avantgarde eines grösseren Trupps, der zwei Tage später mit dem Häuptling Mareale an der Spitze folgen sollte, schlössen sich als eine Art fliegender Kolonne hinten an. Es war ein äusserst malerisches Bild, wie der Zug, aus der Stacheldraht-Umzäunung der Borna heraustretend, sich einer grossen Schlange gleich den steilen, grasigen Abhang hinunterwand,.