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Der Kilimandscharo : Darstellung der allgemeineren Ergebnisse eines fünfzehnmonatigen Aufenthalts im Dschaggalande ; mit 11 Vollbildern, 28 Textbildern und 1 Karte / von Georg Volkens
Entstehung
Seite
256
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X. KAPITEL.

Klima und Vegetation.

Klima und Vegetation stehen allenthalben auf der Erde in engster Beziehung zu einander. Das Klima drückt der Vegetation seinen Stempel auf, und darum fallen klimatische und Vegetationszonen in der Regel zu­sammen. Am Kilimandscharo unterscheide ich sechs solcher, die Zone der Steppe, die des Mischwaldes, des Kulturlandes, des Gürtelwaldes, der Bergwiesen und der Flechten.

i. Die Steppe.

Wenn man sich dem Berge von Süden her nähert, so betritt man sein Gebiet, sobald man den aus dem Jipe-See und Papyrus-Sumpf kom­menden Rufu- oder Pangani-Fluss gekreuzt hat. Man sieht dann ein scheinbar ebenes Land vor sich, aus dem sich nur hier und da ein paar Hügel emporheben, ein Land, das in fünf bis sechs Stunden zu durch­queren ist und von 750 Meter Meereshöhe ganz allmählich und kaum merk­lich auf 900 bis IOOO Meter ansteigt. Dieses Land, das sich rings um den steiler aufragenden Theil des Kilimandscharo herumlegt, und das ich von Schira im Westen bis Useri im Osten begangen habe, ist eine gewaltige Aufschüttungsebene, die der vulkanischen Thätigkeit des Berges selbst ihren Ursprung verdankt. Vordem war hier eine Depression vor­handen, aus welcher der 6000 Meter hoch sich erhebende Riese empor­stieg, indem er eine Decke von Granit und Gneis durchbrach. Die jetzt über die Ebene hervorragenden kleinen Hügel und Kuppen sind in ihrer Mehrzahl nichts weiter als die Spitzen von Gebirgsketten, die sich an das Ugueno-Gebirge anlehnend die Depression durchzogen. Auch der be­deutendste derselben, der Baumann-Hügel, der auf den neueren Karten als Vulkan eingetragen wurde, ist, wie Dr. Lent sich überzeugen konnte, eine Gneiskuppe. Es ist also festzuhalten, dass die Kilimandscharo-