VIII. KAPITEL.
Rings um den Berg.
Gegen Ende Februar 1894 schrieb ich an Herrn Kompagnieführer Johannes, der seit der Niederlage Meli's in Moschi weilte, einen Brief dieses Inhalts: »Im Interesse der Aufgaben, die der wissenschaftlichen Kilimandscharo-Station gestellt sind, liegt es ungemein, den Berg auch von seiner Nordseite kennen zu lernen. Namentlich ein Begehen des Weges, der von Useri aus »hintenherum« in einer Höhe von 3000 Metern etwa nach Schira führen soll, würde von grosser Wichtigkeit sein. Die Verhältnisse liegen nun aber derart, dass die Durchführung eines solchen Unternehmens, zumal es ein erster Versuch ist, wahrscheinlich auf Schwierigkeit stossen wird, wenn nicht die Regierungsgewalt fördernd eingreift. Ich habe mir daraufhin überlegt, dass es Ihre Befugnisse Ihnen vielleicht gestatten, selbst Theilnehmer an der Expedition zu sein. Wäre das der Fall, so meine ich, ist an ein Gelingen nicht zu zweifeln. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir Ihre Ansicht umgehend zugehen liessen, und mehr natürlich, wenn Sie mir Ihre Bereitwilligkeit erklärten, an der Spitze einer kleinen Soldatenabtheilung mitzuziehen. Schon wenige Tage darauf erhielten Lent und ich zu unserer Freude eine schriftliche Zusage im letzteren Sinne, und eine bald folgende mündliche Besprechung zwischen uns Dreien ergab als Resultat, dass wir die ersten Regenfälle der in naher Aussicht stehenden Massika mküba abwarten und dann den Marsch zunächst nach Osten, nach Useri antreten wollten. Den Aufschub hielten wir für nöthig, weil wir fürchteten, sonst unter Wassermangel zu leiden. •— Unsere Geduld wurde nicht lange auf die Probe gestellt, denn bereits am 2. März setzte die grosse Regenzeit mit einem Schauer ein, der binnen wenigen Stunden über 60 Millimeter ergab.
Nach den gewöhnlichen Vorbereitungen brachen wir am Nachmittag des 5. März unter Auspicien auf, die uns unseren Entschluss, zu warten,