VI. KAPITEL.
Nach Schira.
Den im voraufgehenden Kapitel geschilderten Ausflug nach Moschi 'hatte ich einmal unternommen, um diese nach dem Kriege wieder zugänglich gewordene Landschaft selbst kennen zu lernen, dann aber auch, um von hier aus gemeinsam mit dem Kompagnieführer eine weitere Expedition bis nach Schira anzutreten. Im Plane lag ferner, den Rückweg so zu wählen, dass wir, im Westen in die Höhe kletternd, um den Nord- .abfall des Kibo herumgingen und über das Plateau fort nach Kiboscho hinabstiegen.
Am Nachmittag des 22. Dezember setzte sich unsere Karawane, aus 27 Soldaten und 25 Trägern gebildet, nach der Ebene zu in Marsch. Da im weiten Umkreise der Station alle höheren Bäume niedergeschlagen sind, wandert man auf einer schattenlosen, aber sonst bequemen Strasse den Abhang hinunter, auf dem oben die Festungsich erhebt. Nach kaum 15 Minuten, sowie man einige Bananenschamben durchquert hat, umgiebt uns schon der dichte, fast undurchdringliche Busch, der fast überall von Muika ab westwärts die obere Steppengrenze bezeichnet, und nach weiteren zehn .Herrscht Steppe so ausgesprochen, wie nur irgendwo landeinwärts vom Küstenstrich. Niedrige, knorrige, sehr lichtstehende Bäume, hier fast ausschliesslich der Gattung Combretum angehörend, bilden scheinbar einen verwahrlosten Obstgarten, in dem verbranntes und dürres Gras den Boden bedeckt. Nur die schöne himmelblau blühende Hygrophila und das rosafarbene Cycnium Volkensii erfreuen zur Jetztzeit das Auge, im Uebrigen machen sich Hitze und Trockenheit nicht gerade angenehm bemerkbar. Zwei wasserlose Bachbetten werden überschritten, ebenso ein drittes, Mru- sunga genannt, in dem noch einige Lachen stehen und das uns als die •Grenze zwischen Moschi, insbesondere der früher selbständigen Landschaft Pocomo , und Uru bezeichnet wird. Dann nach etwa einer Stunde vom