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Krause: Die Portugiesen in Abessinien
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lagern der Salzebene zurückgestanden zu haben. Barradas 1 ) erwähnt die Salinen nur, ohne näher auf sie einzugehen. — Der heute als wichtigste Salzproduktionsstätte von vielen Reisenden genannte Assalsee im Süden des Landes Dankali, nahe der Tadjarabai, ist in den portugiesischen Berichten nirgends erwähnt; ebensowenig war die Ausbeute von Salz von dem sogenannten Plateau du sei in der Nähe von Adigrat, das Crozals' 2 ) erwähnt, den Portugiesen bekannt.
Einen zweiten Handelsartikel neben dem Salze bildete der mit diesem gemeinsam vorkommende Schwefel der Sol- fataren von Dellol, die von Zichy schildert als ein 300 bis 400 Fufs über die Ebene hervorragendes Plateau von silbergrauem, rotem und schwefelgelbem Salze, 2 km lang und 1 km breit, bedeckt mit heifser, knietiefer Asche, in die nierenförmig größere und kleinere Stücke von gediegenem Schwefel eingebettet sind. s ) Man exportierte von diesen Fundorten den Schwefel in die um den Tsanasee gelegene Landschaft Dambea, um ihn dort für Bereitung von Pulver zu verwenden. 4 ) Hartmanns Angaben lassen erkennen, dafs diese Verhältnisse zu seiner Zeit noch bestanden haben.
6. Wirtschaftliche Verhältnisse.
Es scheint gewagt, über den Stand der wirtschaftlichen Verhältnisse Abessiniens berichten zu wollen aus einer Zeit, in der es kaum erst durch die Reisen und Berichte der portugiesischen Jesuiten der übrigen Welt etwas mehr bekannt geworden war. Nur 150 Jahre war Abessinien den Portugiesen geöffnet gewesen, bis ein arges Mißgeschick ihnen die Pforten zu der alpinen Feste wieder verschlofs. Die Zeit aber hatte genügt, um den Portugiesen, wenngleich sie auch einer wissenschaftlich-geographischen Bildung entbehrten, einen Einblick zu gewähren in die Verhältnisse des Anbaus, der Vegetation
>) Scr. IV, 103.
") M. J. de Crozals, Le commerce du sei du Sahara au Soudan. Annales de l'univ. de Grenoble, VIII, 1896, p. 95.
•) Ausland 1875, S. 820ff. v. Zichy, Die Salzebene Asale im Danakil- lande an der ostafrikanischen Ostküste.
') Barradas, Scr. IV, 101.