Erster Hauptteil.
i.
Kenntnis Abessiniens vor den Fahrten der Portugiesen.
Aus dem Südrande der dem griechischen Altertume bekannten Welt, den die Aethiopen, „die Brandgesichter", bewohnen, tritt früh ein mit Schneegipfeln gekröntes Hochland, das den Nil speisen soll, hervor.
Die ältesten Nachrichten über dieses Bergland und den von ihm kommenden Nil finden sich schon im fünften und sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Aeschylus ist der erste, der vom 7rora,uos Atöi'oip, dem Nil, berichtet, der von den Biblinischen Bergen sein heiliges Wasser über die an der Grenze von Aegypten und Aethiopien liegenden Katarakte entsendet. 1 ) Schon die kurzen Angaben des griechischen Dramatikers lassen erraten, dafs man von den Gebirgs- erhebungen im Süden Aegyptens eine Ahnung hatte; denn mit den Biblinischen Bergen kann nur das äthiopische Hochland gemeint sein. Wie Aeschylus zu dem Namen gekommen ist, wissen wir nicht. Wenn Müller 2 ) dafür „Abyllinische Berge" lesen will, so scheint mir das ebenso wenig Berechtigung zu haben wie die Entlehnung des Namens von einer am Nil gelegenen Stadt Bvßloc, die Stephanus Byzantius kennt. Ein
J ) Aeschylus, Prometheus, v. 807—812:
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2 ) Ptolem. ed. Müller IV, 710 u. 780 b.
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